Tag 16 - Usedom bis Hamburg - All good things come to an end

Dank steifer (und lauter) Ostseebrise dauert die Nachtruhe nicht lange. Am morgendlichen Frühstückstisch lernen wir unsere Zeltnachbarinnen Janis und Fran kennen, ein australisches Pärchen, welches die baltische Küste auf den Spuren von Janis’ Vorfahren in sechs Monaten mit dem Fahrrad bereist. Sechs Wochen haben sie bereits hinter sich, in deren Verlauf sie von Amsterdam bis Usedom geradelt sind.

BSC_DW_002_4422.jpg


Der einzige Grund, warum wir unser Gespräch nach fast zwei Stunden beenden, ist die Tatsache, dass heute der Baltic Sea Circle endet und wir zwischen 16 und 17 Uhr in Hamburg sein müssen. Ansonsten hätten wir mit Janis und Fran noch mehrere Tage und Nächte durchquatschen und uns ihre (eigens angelegte und in meinen Augen nicht wenig angeberische) Entfernungsvergleichskarte von Australien zu Europa ansehen können. Nicht zu vergessen die leicht spöttische Häme, mit der Janis unsere Trekkingmahlzeiten kommentiert.

Hier werden wir sogar in ihrem Blog erwähnt (der nebenbei absolut lesenswert ist).

Dann aber reißen wir uns doch los und machen uns auf den Weg nach Hamburg - zum ersten mal seit zwei Wochen wieder auf Autobahnen. Diese nutzen wir aber wie gewohnt: Hinter Titus’ T3 mit etwa 97 km/h Höchstgeschwindigkeit herfahrend!

Die Fahrt ist unspektakulär, lediglich ein abgesacktes Stück der A20 (von deren Zustand wir aber bereits wussten und entsprechend eingeplant hatten) zwingt uns zu einem Umweg, der später einige Teams nur knapp das Ziel erreichen lassen wird. Ebenfalls zum ersten mal seit Wochen: Stau!

BSC_DW_004_4426.jpg

In Hamburg kommen wir mit 30 Minuten Vorlauf an und tanken noch in Ruhe das Auto, während neben uns ein Team noch Punkte für das Roadbook sammeln will: jeder Reifen des Fahrzeugs wird auf 10 cm hoch gestapelte Legoblöcke gestellt und fotografiert. Zusammen mit dem autoziehenden Pferdebild werden das Punkte sein, die wir nicht mitgenommen haben.

BSC_DW_006_4430.jpg
BSC_DW_005_4427.jpg

Vor dem alten Elbtunnel treffen wir uns mit den Hamburg Blue Angels, dem Cheerleading-Team der Footballmanschaft Hamburg Blue Devils, die während unseres Lithauen-Aufenthaltes auf meine Anfrage geantwortet und zugesagt haben, Fürst Rostfrei würdig ins Ziel zu bringen. Mit Pom-Poms und Hebefiguren sollten wir vielleicht sogar die Punkte für die beste Zieleinfahrt erhalten. Zumindest sind uns die teils neidischen (andere Teams), teils begeisterten (Rennleitung und übrige Zuschauer) Blicke sicher, als Alina und ihr fünfköpfiges Team die Stimmung ordentlich anheizen! Fürst Rostfrei bekommt noch den „Split“ - die neueste Hebefigur des Teams - exklusiv vor der Finish Line präsentiert, danach reihen auch wir uns wieder in die Fahrzeugaufstellung ein, während es uns langsam dämmert:

Es ist vorbei!

Wir haben 7768 Kilometer Gesamtstrecke in unser RoadBook eingetragen (locker geschlagen von den über 10.000 km des späteren Gewinnerteams). 16 Tage Autofahren und 9 Länder liegen jetzt hinter uns und es wird noch viele Tage bis Wochen dauern, bis wir das Erlebte richtig verarbeitet haben. Bereits jetzt verschwimmen einzelne Tage, Strecken und Begegnungen und müssen anhand unserer Bilder und Notizen wieder den jeweiligen Etappen zugeordnet werden. Viele Gespräche wurden geführt, Freundschaften geschlossen, von denen wir jetzt schon wissen, dass wir sie auch über große Distanzen fortführen werden. Manche Orte und Momente sind ins Gedächtnis eingebrannt und werden für immer mit dem BSC verbunden sein (was aber definitiv nicht dazugehört: der Geruch von Surströmming!)

All dies sind Dinge, die jedem Rallyeteilnehmer klar werden, als wir händeschüttelnd und umarmend durch die Reihen der Fahrzeuge schreiten. Einige Teams haben sich bereits am Vortag verabschiedet - berufsbedingt oder um die kürzeste Verbindung nach Hause zu wählen. Aber es wären ohnehin nicht alle angekommen: 25 km vor Hamburg blieb ein T4 mit finalem Motorschaden liegen, was einen Teil der Crew aber nicht davon abhielt, mit umgebundenem Kennzeichen, Ersatzrad und Startnummer ins Ziel zu laufen. Stilecht mit zwei Sektflaschen, deren Inhalt schüttelnd verteilt wird. Ein anderes „Team“ kam zwar an, wurde von Moderator Maschine aber geflissentlich ignoriert, da es disqualifiziert wurde. Grund: Start und Ziel wurden zwar mit einem 20 Jahre alten Fahrzeug bestritten, die eigentliche Tour aber mit einem Wohnmobil, die explizit aus den Regeln ausgenommen sind. Aufgrund der Nutzung gleicher Campingplätze mit dem Rest der Rallye ist dies rausgekommen.

Am Ende formt sich zur Siegerehrung ein letztes ein Halbkreis vor Maschine. Zunächst werden die Sonderkategorien erwähnt: längste gefahrene Strecke, Instagram-Challenge des Sponsors Ratsherren, die meisten Nächte Wildcampen, aber auch die Kategorie, in der die Espressonisten punkten können: das beste Mitbringsel im Tausch gegen eine Büroklammer! Unser Gemälde hat es also auf die Bühne geschafft und wir sind einmal mehr dankbar für die Offenheit der Menschen, mit denen wir unsere Handel durchgeführt haben. Vielleicht auch dankbar für die entnervte Resignation, die wir mit unserem Anliegen hervorgerufen haben. Was auch immer es war, wir freuen uns darüber…
Hier also noch einmal der Werdegang unserer Büroklammer und die jeweiligen Tauschobjekte zusammengefasst:

Start der Rallye: blaue Büroklammer
Deutschland: blaues Plastik-Feuerzeug
Dänemark: Chip für Einkaufswagen
Schweden: goldene (Cocktail)-Palme
Norwegen: selbstgestrickte Puppenhandschuhe
Finnland: ein Taschenbuch (dessen Handlung nach wie vor ein Rätsel ist)
Estland: Zwiebel-Marmelade im Tongefäß
Lettland: das Gewinner-Kunstgemälde

Für den Gesamtsieg reichte es freilich nicht: mit unseren knapp 480 Punkten kommen wir bei weitem nicht an die 750+ Punkte der drei Gewinner heran, aber das war auch nie unser Anliegen.

BSC_DW_023_4680.jpg
BSC_DW_024_4715.jpg

Maschine möchte ein weiteres Gruppenbild mit allen Teilnehmern und verabschiedet dann den Baltic Sea Circle 2018. Keine 10 Minuten später ist die Finish Line bereits nicht mehr zu sehen und der Fischmarkt nimmt wieder sein normales Aussehen an. Die Erinnerung an das Geschehene bleibt in unseren Köpfen und auf digitalen Speichermedien.

Ein letzter Abschied von Ilona, Titus, Alex, Christina, Janka, Nils, Antje, Max, Moritz und der Wunsch, all diese Menschen bald wiederzusehen.
Letztlich sogar ein Abschied der Espressonisten untereinander, denn Sebastian wird noch einige Tage in Hamburg bleiben, während ich mich morgen ein weiteres mal mehrere Hundert Kilometer im Auto befinde, um nach Hause zu kommen.

Abends heißt es noch Sushi mit Freunden und nach 16 Tagen zum ersten Mal deutlich spürbar: die Anspannung, die mit Erreichen des Zieles schlagartig abfällt!
Und das sichere Wissen: morgen muss nur noch ein mal das Auto bepackt und eine lange Strecke zurückgelegt werden.

Wir werden es vermissen!

BSC_DW_021_4568.jpg

gefahrene Kilometer: 386
Fahrtzeit: 5 Stunden

stay tuned - Die Espressonisten will be back!

 

Dennis Wilhelms
Tag 15 - Danzig bis Usedom - Back in Germany

Wir haben es tatsächlich bis Danzig geschafft. Ankunft kurz vor Mitternacht und Verständigungsprobleme mit den Nachmanager unseres Gästehauses hindern uns nicht daran, uns über den Luxus einer Dusche und gescheite Betten zu freuen.
Um morgen das RoadBook zur Wertung abzugeben, müssen wir heute dringend die Bilder der Tages- und Allgemeinaufgaben ausdrucken und einkleben. Diese Aufgabe beschäftigt auch die anderen Teams, so dass Vorschläge vom Ausnutzen des verkaufsoffenen Sonntag in Berlin bis zur Nutzung des eigens dafür mitgebrachten Fotodruckers im Chat aufkommen.
Für mich steht davor aber der Schritt der Auswahl und der Bearbeitung, was unser Frühstück inmitten der Danziger Uferpromenade eher hastig als gemütlich werden lässt. Es passt aber zur langsam aufkommenden Zielgeraden-Euphorie, die auch vor uns nicht Halt macht.

Auch von Danzig können wir nur das nötigste Touristenprogramm abhaken, bevor es mit großen Schritten (sprich: mäßiger Geschwindigkeit auf katastrophalen Straßen durch nicht enden wollende Ortschaften) in Richtung Deutschland geht. Erneut entscheiden wir uns für eine längere Strecke als ursprünglich geplant, um den Grenzübertritt bereits heute durchzuführen.

 

Eine kurze Fährüberfahrt bringt uns dann zur beschaulichen Insel Usedom, auf deren polnischen Seite wir Fürst Rostfrei noch einen letzten Schluck günstiges Benzin spendieren, bevor wir unser Lager auf dem nahe gelegenen Campingplatz aufschlagen.

BSC_010_4409.jpg
BSC_011_4410.jpg


Oder besser: aufschlagen wollen! Nach 20 Uhr ist die Rezeption nicht besetzt, was für den Aufbau des Zeltes kein Problem darstellt. Aber die Duschen geben nur per Bezahlchip warmes Wasser. Pro 6 Sekunden 3 Cent! Ausgerechnet in Deutschland kommen wir zu einem Platz, an dem das strengste Reglement der letzten 15 Tage herrscht.
Unsere Platznachbarn bieten uns zwar ihren Chip an, aber wir schlagen zugunsten einer Morgendusche aus. Wie wir morgen sehen werden (Achtung Cliffhanger!), sind alle unsere zeltenden Nachbarn sehr angenehme Zeitgenossen…

Titus und Ilona stoßen erst nach 22 Uhr zu uns, so dass der bedingt geländegängige Bulli die Schranke umfahren muss. Dazu bedarf es zwar einer Gehörgen Portion Anschieben und wir schlagen eine breite Furche in den Sandabhang, aber das haben wir uns von einem anderen Auto wenige Minuten zuvor abgeschaut.

Die letzte Nacht im Zelt bricht an, nicht jedoch, bevor wir unter lautem Lachen und mit einigen Bieren unsere RoadBooks vergleichen.

 

Gefahrene Kilometer: 487

Reisezeit: 8 Stunden

Dennis Wilhelms
Tag 14 - Jaunolaine bis Danzig - Kreuze und Krater

Als Tagesaufgabe steht der Besuch des Kryžių kalnas an. Der Berg der Kreuze ist ein Gedenkort für die gefallenen Revolutionäre im Novemberaufstand 1830 und dem Januaraufstand 1863 gegen die russische Obrigkeit. Auf einem kleinen Hügel stehen Tausende Kreuze dicht an dicht, behangen mit Ikonen und weiteren Kruzifixen. Bereits zwei mal sollte der heutige Wallfahrtsort vernichtet werden, wurde durch die Litauer und Polen aber immer wieder neu errichtet und mit noch mehr Kreuzen versehen. Wir sollen ein eigens gebautes Kreuz dort errichten.
An mehreren Kreuzen erkennen wir den Viking Timber Block der letztjährigen Rallye. Während unseres Rundganges um den Hügel kommt ein Bus mit einer ganzen Kompanie von spanischen Luftwaffesoldaten, die zusammen mit litauischen Kameraden ein großes Kreuz errichten. Bei genauerem Hinsehen erkennen wir mehrere militärische Kreuze verschiedener Truppengattungen.

Die weitere Fahrt durch Litauen und Polen ist vor allem durch den schlechtesten Straßenzustand der letzten zwei Wochen geprägt. Waren wir in Norwegen noch von den zielgerichteten und professionell aufgebaut und durchgeführten Baustellen begeistert, vermissen wir in Litauen überhaupt den Willen zur Verbesserung der Schlaglöcher. Polens Asphaltdecken sind zwar immerhin intakt, aber die Spurrillen so ausgeprägt, dass wir ernsthaft Angst um unseren Endtopf haben. Einem Volvo reißt die Fahrt durch die Kraterlandschaft den Kohlefilter ab. Nach mehrfachen Versicherungen im WhatsApp-Rallye-Chat fährt das Team aber weiter…

Foto 30.06.18, 18 07 59.jpg

Auch wenn wir für eine Strecke von knapp 240 Kilometer mehr als 4 Stunden brauchen, wollen wir heute bis nach Danzig kommen. Die dringend benötigte Mahlzeit wird dabei auf einem Tankstellengelände verzehrt. Dehydrierte Trekkingnahrung mit lauwarmem Wasser zubereitet, weil wir bei ständigem Wind das Wasser mit dem Gaskocher auch nach 20 Minuten nicht zum Kochen bringen können. Wir fühlen uns wie wahre Abenteurer!

Foto 29.06.18, 20 49 51.jpg
Foto 29.06.18, 21 17 00.jpg

 

gefahrene Kilometer: 775
Reisezeit:14 Stunden
Meal of the day: https://www.globetrotter.de/shop/trekn-eat-ungarntopf-mit-rindfleisch-und-nudeln-199097/

 

Dennis Wilhelms
Tag 13 - Raudsilla bis Jaunolaine - Männer, die auf Ziegen starren

Die Party-Nachwehen sind weniger schlimm als letztes Mal. Zumindest für Sebastian und mich! Das gilt nicht für unsere Stellplatznachbarn, die so aussehen, wie ich mich nach den Lofoten gefühlt habe.

Trotzdem entscheiden sich alle Teams für eine frühe Abfahrt. Die Straßen im Baltikum und besonders Polen werden weniger gut ausgebaut sein als dies in der ersten Hälfte der Rallye der Fall war. Zumindest dachten wir das.

Estland und Lettland belehren uns eines besseren. Wir kommen gut voran und das, was uns bremst, sind keine schlechten Straßen, sondern das Umfahren von Autobahnen, die laut RoadBook verboten sind. Aber auf diese Weise können wir aber einen fast vergessenen Auftrag erledigen, den das RoadBook als „den Klassiker“ bezeichnet - setze eine Ziege ans Steuer Deines Autos!

Wir halten an einem Hof für eine Kaffeepause und entdecken im Garten einen Stall mit zwei Ziegen. Flugs an den Auftrag erinnert, fragen wir die Bedienung, die uns mitten im Satz unterbricht und sagt, dass sie solche Anfragen von letztem Jahr bereits kennt. Den Besitzer freut es, er filmt uns beim Einfangen des Haustieres, beglückwünscht uns noch zu unseren gewonnen Punkten und wir fahren weiter nach Riga.
Die Ziege meckerte verständlicherweise ein wenig während der Aktion (wir rissen sie aus einem glückseligen Dämmerzustand), kam aber weder zu Schaden, noch sind tiefergehende psychologische Beeinträchtigungen zu erwarten. Immerhin kannte sie das Procedere bereits aus 2017!

BSC_005_4191.jpg

In Riga blieb uns nur Zeit für das minimalistische Touristenprogramm zusammen mit Ilona und Titus, die uns inzwischen an Herz und Fahrzeug gewachsen sind.

Hier noch zu erwähnen ist der Tausch der Zwiebelmarmelade in Riga. Durch das nur kurze Durchfahren des Baltikums bleibt für eine Tauschaktion natürlich deutlich weniger Zeit als dies in Norwegen oder Schweden der Fall war. Hier hofften wir also auf den Zufall, der sich uns in Form der Abschlussfeier der diesjährigen Absolventen der Kunsthochschule Riga präsentierte. Dreist die Party gestürmt und die erstbesten Menschen gefragt, sind wir nun im Besitz eines Gemäldes auf Leinwand, das den Wert des Zwiebelmarmelade um ein vielfaches übersteigt. Folgerichtig erklären wir den Tauschhandel als beendet, weil es uns absolut unmöglich sein wird, dies gegen etwas höherwertigeres zu tauschen. Liebe unbekannte Künstlerin der Kunsthochschule Riga: wir danken Dir und werden das Gemälde an einem guten Ort aufbewahren. Selbst wenn wir nicht die Punkte für das herausragendeste Mitbringsel einheimsen sollten - es bleibt unser Sieger der Herzen!

BSC_013_4244.jpg

Die Einladung zur Party schlagen wir aus, weil wir noch nicht wissen, wo wir zur Nacht unterkommen. Wildcampen ist geplant und der erste Versuch, einen See kurz außerhalb von Riga  anzufahren, ist unser Glückstreffer drei des heutigen Tages! Ideale Stellplätze inkl. Dixieklos! Dass das Feuer des Abends durch einen Brand irgendwo in Riga mit tiefschwarzen Rauchwolken erzeugt wird, beunruhigt uns etwas, allerdings konnten wir bis heute nicht herausfinden, was gebrannt hat und ob es Verletzte gibt.


gefahrene Kilometer: 420
Reisezeit: 7 Stunden
Ziegen mit richtigen Stressproblemen: https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2012-01/unterschaetztes-tier-fainting-goats

 

Dennis Wilhelms
Tag 12 - Tallin bis Raudsilla - Wellness-Tag

12 Tage mit Wildcampen und nur sporadischem Duschen hinterlassen ihre Spuren, also ist für echte Männer Wellness angesagt: Nach mehrfachen Versuchen finden wir einen Barbier in Tallinn und lassen die Bärte wieder auf ein ansehnliches Maß stutzen (Sebastian ist an dieser Stelle sehr wichtig zu sagen, dass bei ihm nur der Oberlippenbart etwas gekürzt wurde. Alles andere käme Fremdgehen gleich…). Die weiblichen Barbiere (nicht oder nur rudimentär der englischen Sprache mächtig) lächeln entweder nur nach Feierabend oder am 27. Montag eines Schaltjahres, aber definitiv nicht heute! Das Ergebnis ist trotzdem mehr als akzeptabel…

Zeit für ein wenig Stadtbesichtigung und Mittagessen bleibt und erneut zeigt sich Tallinn von seiner besten Seite: das zentral gelegene Restaurant bietet herausragendes Essen und mehr: der junge Azubi Norbert hilft uns nicht nur zu neuem Brot für die Suppe, sondern - angesprochen auf die Rallye und unsere Tauschaktionen - reißt sich auch fast ein Bein aus, um das in unserem Besitz befindliche finnische Buch loszuwerden. Er selbst kann zwar nichts anbieten, schickt uns aber zu seinem früheren Arbeitgeber, einem mittelalterlichen Shop, bei dem er als Gildenmeister Bertholt Noobel (wir denken uns das nicht aus!) bekannt ist. Wir sollen seinen Mittelalter-Namen nennen, dann würde uns geholfen. Wir setzen den leicht mafiös klingenden Vorschlag um und in der Tat - das finnische Buch wechselt seinen Besitzer und wir sind um eine mittelalterliche Zwiebelmarmelade im selbstgetöpferten Gefäß (Wir denken uns das NICHT aus!) reicher.

Auf dem Weg sammeln wir noch Teile eines Teams aus Bremen mit ein. Deren Fahrzeug steht am Flughafen, weil der Fahrer gestern nach Deutschland flog, um heute seine Meisterprüfung (Bestanden! Glückwunsch) abzulegen. Nach erneuter Landung heute Nacht fährt er mit dem Auto zur Party-Location, zu der wir gerade unterwegs sind.

Es stellt sich als ein großes Konferenz-Gelände mit Campingplatz heraus. Zentraler Bestandteil ist das 20 Meter hohe Tipi mit großem Kamin und trichterförmigem Abzug in Tipi-Höhe. Daneben gibt es zwei Saunen, ein glückbringendes Baumstamm-Urinal und einen Fluss, der durch das Gelände mäandert und gleichzeitig Wasserspender für Badezuber und Sauna ist.

BSC_001_0277.jpg

Wir treffen Ilona und Titus wieder, mit denen wir Geschichten von Wildcampen in Russland und Bordell-Hostels in Estland austauschen, bevor es sich die eine Hälfte des Baltic Sea Circle vor den Zelten in der Sonne gemütlich macht und die andere Hälfte das Spiel Deutschland gegen Süd-Korea im großen Tipi verfolgt.
Wie sich herausstellt wurde nicht genug in das Baumstamm-Urinal gepinkelt. Oder verkehrt… oder von den falschen… wer weiß das schon…? Zumindest ist die langsam beginnende Party um ein Gesprächsthema und die Teilnehmer um einen Grund zum Trinken reicher. Den brauchen viele allerdings nicht: um 19 Uhr liegen die ersten wieder in oder in grober Näher von ihren Zelten und schlafen den ersten Rausch des Tages aus.

Auftakt macht eine estnische Folklore-Tanz-Gruppe aus einem umliegenden Dorf mit traditionellen Tänzen aus der Region. Fast 45 Minuten werden wir unterhalten durch die beeindruckende Darbietung, die mehr als nur leicht getrübt wird durch die Tatsache, dass zwei der angetrunkenen Rallye-Teilnehmer sich auf die Bühne dazugesellen und die Tänzer nachäffen. Die nehmen es mit Humor und revanchieren sich beim letzten Tanz, bei dem das Publikum mitmacht und greifen sich die beiden raus. Auch der wieder angereiste Moderator Maschine setzt noch einen drauf und kommentiert die mangelnde Koordination der beiden Idioten.

Weiter geht es mit Freibier und dem ebenfalls traditionellen estnischen Essen. Im Gegensatz zu den Lofoten verläuft sich Feier über den gesamten Platz, viele Gruppen zünden kleine Feuer an und auch und gerade die Saunen werden zum geselligen Trinken genutzt.

Viele Teams erreichen das Gelände erst spät, die Ausreise aus Russland dauert zum Teil mehr als vier Stunden. Die gesamte Rallye ist auf geschätzt 210 Teams zusammengeschrumpft.

Mehr als nur ein Wermutstropfen dieses Abends: nicht wenige Teilnehmer schlagen über die Stränge: am Ende der Feier wird Eigentum des Platzes mutwillig zerstört sein, die Entsorgung von Müll wird dem Veranstalter oder dem Zufall überlassen. Das Schlimmste ist aber das Verhalten gegenüber den Frauen der Rallye. Eine Teilnehmerin, die sich nackt in die Sauna setzt, wird mit machohaften Proleten-Sprüchen eingedeckt; zwei andere, die die Sauna im Bikini betreten, offen aufgefordert, dass sie sich nicht so zieren und das ausziehen sollen (wir wünschten, dass wir uns das nur ausdenken würden, aber die erste Begebenheit wird von zuverlässiger Quelle berichtet, bei der zweiten waren wir live dabei). Es ist klar, dass das vorpubertäre Verhalten von einzelnen (zum Teil Familienvätern) hier nicht auf alle Rallyeteilnehmer gestülpt werden kann, aber für uns trübt es die Stimmung heute sehr!

Nicht besser sind die Berichte von anderen Teams zu einzelnen Foto-Challenges. Eine davon besagt, ein Foto des Rallye-Fahrzeuges inkl. Team in Manier eines Plakates der Sendung Top Gar zu fertigen. Zwar schreibt der Veranstalter mit einem Augenzwinkern, dass die häufigen Explosionen im Hintergrund nicht notwendig seien (wir selbst fügen diese später per Photoshop hinzu), aber ein Team hat dies vermutlich als Anstacheln verstanden. Mit 40 Liter Diesel wurden Autoreifen für ein Foto angezündet…
Auch der entstehende Müll des heutigen Tages (Bier wird in Plastikbechern ausgeschenkt, das Geschirr ist ebenfalls aus Plastik) lässt uns ein wenig ratlos zurück, ob der gute Zweck der Rallye den massiven ökologischen Fußabdruck rechtfertigt, der hier hinterlassen wird. Zumal mindestens 20 Jahre alte Autos ohnehin nicht die saubersten Abgase hinter sich herziehen…

Der heutige Post endet somit negativ und steht in starkem Kontrast zur Party auf den Lofoten. Im Nachhinein sind bereits dort die gleichen Verdächtigen des heutigen Tages aufgefallen, die die Rallye als Flucht aus dem Alltag oder dem Umsetzen von Teenager-Party-Fantasien wahrnehmen. Anscheinend waren wir heute nur näher dran.

Es wird nicht nur aus diesen Gründen Zeit für den Heimweg, den wir nun unumkehrbar antreten müssen. Die Fahrtstrecken werden wieder deutlich länger werden und die Straßenverhältnisse in den kommenden Ländern versprechen nicht die besten zu werden.

P.S.: Um nach nochmaligem Durchlesen doch positiv zu enden: Nils, der Teil unserer „Tausche-Deinen-Beifahrer-Aktion“ an Tag 3 war, hat die Einreise nach Russland mit einem beschädigten Reisepass angetreten: eine Plastikabdeckung war vor Jahren gerissen und von einem chinesischen Zollbeamten mit Tesafilm repariert worden. Die russische Botschaft hat im Vorfeld in genau diesem Reisepass das Visum gestempelt, der dann an der Grenze nicht mehr akzeptiert und stattdessen ein Notfall-Visum beantragt wurde. Der Straftatbestand - wegen dem Nils erst erkennungsdienstlich behandelt und dann zu einer Strafe von umgerechnet 30 Euro verdonnert wurde - lautet: „Straftat gegen den russischen Staat“. Bei allen Problemen, die ihm das bei einer zukünftigen Einreise bringen wird - Nils ist unser Held des Tages!

Gefahrene Kilometer: 56
Reisezeit: 1,5 Stunden
Bußgeld für 20 km/h Geschwindigkeitsübertretung in Russland: 3 Euro

Dennis Wilhelms
Tag 11 - Helsinki bis Tallinn -

Die Parkgebühr von 6 Euro pro Stunde Parken in der Innenstadt von Helsinki schränkt das touristische Sightseeing-Vergnügen erheblich ein! Google Maps verrät uns, dass es einen Parkplatz direkt am Fähranleger nach Tallinn geben könnte, der aufgrund der größeren Entfernung zur Innenstadt hoffentlich günstiger sein wird. Es gibt ihn, aber er ist es nicht. Trotzdem stellen wir unser Auto für großzügige 13 Euro für drei Stunden ab (ab Stunde drei wird es in der Tat „günstig“).

DennisWilhelms_BSC-3485.jpg

Wir nehmen uns die Zeit in Helsinki, um in Ruhe einen Kaffee zu trinken, ein Fotobuch mit einer Reportage über Russland zu ergattern (so haben wir die Verbindung nach Russland doch noch irgendwie hinbekomme) und die Markthalle von 1890 zu besuchen. Letzter erweist sich als Volltreffer, da wir zum einen kulinarisch voll auf unsere Kosten kommen, zum anderen unsere selbst gestrickten norwegischen Puppenhandschuhe gegen ein finnisches Taschenbuch tauschen. Dass die ehemalige Besitzerin des Buches - eine Angestellte eines Standes mit handgefertigten Andenken an die Stadt - uns vermutlich ihre aktuelle Lektüre geschenkt hat (die umgeknickte Seite als Lesezeichen befand sich noch im ersten Viertel des Buches), bereitet uns für wenige Minuten ein schlechtes Gewissen…

Bereits 45 Minuten vor Abfahrt sind wir wieder am Fähranleger. Irritiert, dass die Auto-Schleusen zum Hafen nicht geöffnet sind, fragen wir im Fährbüro nach - nein, die geplante Fähre um 13:30 Uhr wird nicht durch die Viking Lines Fährgesellschaft bedient. Ja, es gibt einen zweiten Fähranleger auf der anderen Seite der Stadt.
Noch 35 Minuten - wir versuchen unser Glück!
Noch 30 Minuten - wir entscheiden uns gegen einen illegalen U-Turn vor dem Präsidentenpalast, um Sauli Niinistö nicht unnötig zu beunruhigen.
Noch 28 Minuten - 10 Meter gegen eine Einbahnstraße zu fahren erscheint uns akzeptabel. Wir verbuchen die seltsamen Blicke der Helsinkier unter Völkerverständigung.
Noch 25 Minuten - ist die Tatsache, dass gefühlt alle fünf Meter ein Fußgängerüberweg existiert reine Schikane?
Noch 20 Minuten - wir erreichen den Fähranleger!

Unser Schiff - die MS Star - ist noch auf der Tafel angeschlagen. Mit breitem Grinsen stellen wir uns vor die passende Schranke. Das Grinsen verschwindet, als uns ein be-warnwesteter Mitarbeiter der Fährgesellschaft verrät, dass wir vor 20 Minuten hätten vor Ort sein müssen, um auf die Fähre zu gelangen. Hinter seiner linken Schulter verlässt die MS Star den Hafen von Helsinki, während eine Frau des Tourismusbüros uns anspricht, ob wir mit unserem Besuch in Finnland zufrieden waren.

Die nächste Fähre ist für 15:15 Uhr angekündigt, Tickets gibt es für deutlich weniger Geld als befürchtet, weil der Mercedes inkl. Dachbox die günstige Höhe von 1,90 Meter nicht überschreitet. Ein kleiner Sieg für das Team Espressonisten.

An Bord versuchen ein Countrysänger und ein Magier unglaublich erfolglos, das Publikum für sich zu gewinnen. Wesentlich größeren Zuspruch findet der Alkohol, der auf dem estnisch betriebenen Schiff um einiges günstiger ist als in Skandinavien.

Trotz Verspätung der Fähre haben wir unseren herausgefahrenen finnischen Vorsprung noch immer in der Hinterhand. Nach kurzer Diskussion bauen wir diesen noch weiter aus, indem wir die Tagesaufgabe für Donnerstag bereits heute angehen und fahren zum Rummu quarry, einem ehemaligen Gefängnis, von dem Teile überflutet sind.


Die Besitzer des Geländes machen es uns schwer - einen hohen Zaun, der zu den Seiten mit Nato-Draht gesichert ist, gilt es zu überqueren, bevor wir an das Ziel kommen (später finden wir einen wesentlich einfacheren Zugang, aber hinterher ist man ja immer schlauer). Mehrere Drohnenflüge später sichern wir uns die Punkte für das RoadBook mit einem kurzen Bad im See. Dokumentiert wird das ganze durch eine Gruppe Deutscher, die wir erst für Rallye-Teilnehmer halten. Sie sind jedoch nur durch Zufall da und bleiben auch nicht die einzige Gruppe, die sich an diesem doch nicht so geheimen Ort trifft. Wenige Tage später werden zahlreiche Rallye-Teams hier stehen und keine Chance haben, die gleichen ungestörten Aufnahmen zu machen, die uns gelungen sind.
Zurück in Tallinn beziehen wir unser sorgfältig ausgesuchtes Domizil für die Nacht - ein Hostel mitten in der Stadt für sagenhafte 35 Euro für ein Doppelzimmer. Wichtig war uns auch das Vorhandensein eines Parkplatzes, damit wir unser Auto sicher unterstellen können. Diesen Anspruch erfüllt das Hostel laut Buchungsseite und in der Vorab-Mail frage ich nach der genauen Wegbeschreibung zur Parkfläche. Hier die Antwort:

Foto 26.06.18, 18 26 05.png

Das erst böse Omen sollte nicht das letzte gewesen sein. Nach Ankunft lernen wir die Managerin kennen, die vermutlich bereits seit den Zeiten hier arbeitet, als das Hostel noch ein Bordell war. Trotz regenbogenfarbenem Graffiti-Anstrich der Wände kann der lang gezogene Flur mit den in Nischen angeordneten Zimmern nicht darüber hinwegtäuschen, eine dubiose Vergangenheit gehabt zu haben. Eigentlich alles an der Unterkunft ist renovierungsbedürftig, inklusive der Managerin, die die eigene Fassade allerdings bereits einer Teilrenovierung unterzogen hat. Wir schätzen sie auf Ende 50, was wir nach oben korrigieren, als sie nach Erhalt unserer Personalausweise mehrfach anmerkt, wie jung wir doch seien.
Bei der Führung durch das Gebäude kommt mir mehrfach der Verdacht, dass der im Obergeschoss befindliche Escape Room hier seinen Anfang nimmt und wir wohl versehentlich eine Tour gebucht haben.

Den Parkplatz im Innhenof können wir übrigens nutzen - für einen Betrag, der dem eigentlich Preis für das Zimmer sehr nahe kommt. Die Rotlicht-Taktiken scheinen auch hier Anwendung zu finden.

 

Nach mehrfacher Versicherung, dass wir die Brandschutztür unseres Zimmers von innen verriegeln können und der Gewissheit, dass wir heute Nacht trotzdem versuchen werden, das Schlafverhalten von Delfinen an den Tag zu legen (lediglich eine Gehirnhälfte schläft, die andere ist auf Hab-acht) , verlassen wir das Hostel wieder. Wir werden noch kurz Zeuge eines Zwiegespräches zwischen der Managerin und einer jungen Frau, die wohl kein Geld für eine weitere Nacht hat und deswegen hochkant rausgeschmissen wird. Erneut fühlen wir uns in die Rotlicht-Ära zurückgeworfen.

Unser Weg führt uns ins Dubliners, einem der Irish Pubs in Tallinn, wo wir nicht nur auf hervorragendes Essen (auch ohne den Vergleich zu den Trekking-Mahlzeiten, von denen wir uns ab und an ernähren) stoßen, sondern auch auf Leif und Ralf von zwei anderen Teams. Leif stellt sich als Besitzer des „Eisenschweins“ heraus, einem Toyota, mit dem er bereits mehrfach Rallyes in der Wüste bestritten hat. Den Baltic Sea Circle bezeichnet er als „Kaffeefahrt“. Wir geben ihm ein Bier aus und lauschen seinen Erzählungen! Der Abend wird lang, die Unterhaltung mit Ralf und Leif witzig und es stellt sich heraus, dass wir mehrere gemeinsame Bekannte und Wohnorte haben. Die Welt ist klein, vor allem an der Ostsee…

Währenddessen in Russland:

Gefahrene Kilometer: 138
Reisezeit: 4 Stunden
Tatsächliche Abfahrtszeiten der Fähren der Viking Lines am ersten Fähranleger: 11.30 Uhr, 21:15 Uhr

Dennis Wilhelms
Tag 10 - Koli bis Helsinki - von Feuerbällen und Kebab-Füllung

587 Kilometer führen uns bis nach Helsinki. Was sich wie eine akzeptable Entfernung anhört, bedeutet in Fahrtzeit übersetzt erneut etwas mehr als 10 Stunden.

DennisWilhelms_BSC-3412.jpg

Unterbrochen wird die Fahrt von diversen Fotostopps. Direkt am Campingplatz machen wir noch Gruppenbilder mit Simone und André, dann geht es schon zur nächsten Aufgabe für das Roadbook: es gilt, die älteste Holzkirche der Welt zu finden und ein Teamfoto davor zu machen.
Die riesige Kirche in Kerimäki ist kein Baufehler: Anspruch war es, die gesamte Gemeinde unterbringen zu können. Gerechnet natürlich an Markttagen, an denen Händler, Besucher und auswärtige Familie zugegen sind. Die Kirche steht also meist leer. Erst recht im Winter, da die Holzkirche nicht genügend beheizt werden kann. Für diesen Zweck gibt es eine - deutlich kleinere - Winterkapelle auf dem Gelände.

Die Bilder im Kasten nutzen wir Verpflegungsmöglichkeiten vor Ort (und vermutlich das luxuriöseste Dixie-Klo, das die Welt je gesehen hat - inkl. Keramik, Teppichboden, und Blumenarrangement). Die finnische Spezialität Lörzty-Kebab, eine Reis-Fleischpastete mit Kebabfleisch gefüllt (wir vermuten Rentier, das in dieser Gegend quasi restlos verwertet wird) schmeckt nach keiner Wiederholung in nächster Zeit. Nicht schlecht, aber nicht köstlich genug, um bis kurz vor die russische Grenze zu fahren, um sich einen Nachschlag zu gönnen.

 

Einen weiteren Stopp legen wir ein, um Videoaufnahmen mit der Drohne zu fertigen, damit die Rallye auch einen würdigen Film produziert. Dazu verlassen wir die Straße an einer Schotterstraße, die einmal einen See umrundet. Während ich die Drohne am Wegesrand steuere, passiert Sebastian mehrfach einen Bauernhof, bei dem wir vermutlich für den Rest des Jahres noch abendliches Gesprächsthema sein werden. Zumindest waren mit jeder Vorbeifahrt mehr (und immer ältere) Menschen vor dem Stallgebäude zu sehen.


Fürst Rostfrei nimmt die kurzen Driftpassagen auf dem Geröll wie der Mercedes, der er ist: stoisch und nur leicht empört über die etwas zu sportliche Fahrweise. Wir beruhigen ihn wieder mit Geradeausstraßen bis kurz vor Helsinki, wo es spontan zu einer weiteren Fotosession kommt. Neben einer Tankstelle (wo auch sonst…?) steht ein (hoffentlich) ehemaliger russischer Militärhelikopter, der einen perfekten Hintergrund für eine weitere RoadBook-Aufgabe liefert: Präsentiere Dein Team und Dein Auto wie ein Plakat der Sendung Top Gear. Der Feuerball im Hintergrund ist zwar optional, aber mein Ehrgeiz als Fotograf ist geweckt. Letzten Endes wird es eine Photoshop-Arbeit sein, aber bis Sonntag sollte etwas brauchbares zu zaubern sein.

Endlich in Helsinki angekommen, raten uns mehrere Teams zum vermutlich personalstärksten und modernsten Campingplatz Finnlands. Umgeben von Vorstadt-Hochhäusern sitzen wir so auf topgepflegtem Rasen, während insgesamt sechs Müllsammler um uns herum ihrem Job nachgehen. Die Codekarte zu Küche, Toiletten und Dusche müssen wir stets am Mann führen und unser Zelt ist mit einer … Zeltberechtigung?… versehen, damit die Platzwartin, die pausenlos ihre Runden dreht, uns nicht aus dem Schlaf reißt und unsere Aufenthaltserlaubnis kontrolliert.


Gefahrene Kilometer: 587
Reisezeit: 10 Stunden
Kapazität der Kerimäki Kirche: 5.000

Dennis Wilhelms
Tag 9 - Rovaniemi bis Koli - blutige Spuren in Finnland

„Geradeaus“ ist ein wichtiges Merkmal für finnische Straßen. Schier endlos zieht sich die Straße 78 durch die grüne Landschaft. Oberhalb sehen wir einen Farbton, den wir fast vergessen hatten: tiefes blau! Später sogar wolkenlos! Die regnerischen Tage scheinen vorbei… Die ein oder andere Warnung vor kreuzenden Elchen stimmt mich immer noch mürrisch. Auch hier werde ich keinen zu Gesicht bekommen, während die „russischen“ Teams erste Bärensichtungen vermelden.

DennisWilhelms_BSC-3243.jpg

An Begegnungen mit Tieren soll es trotzdem nicht mangeln. Um die Rallye möglichst eindrucksvoll zu dokumentieren, läuft seit mehreren Tagen eine GoPro auf unserer Konsole. Da wirken gerade Straßen natürlich langweilig, also suchen wir uns einen passenden Waldweg, der direkt von der Schnellstraße auf einen See zuläuft. Das wird spätere Zuschauer sicher beeindrucken!
In der Tat endet unsere Zeitraffer-Aufnahme direkt vor einem malerischen See, von dem ich auch noch ein paar Fotoaufnahmen machen will. Es dauert nicht lange, und das Mückenkampfgeschwader der finnischen Luftwaffe beginnt ihren Angriff. Gefühlt zwanzig der Mini-Vampire lassen sich auf meinem Arm nieder, während ich Usain Bolts Zeiten in Richtung Fahrzeug zu schlagen gedenke. Mit mir steigt etwa ein Dutzend Mücken ein und Sebastian und ich verbringen etliche Minuten mit Abwehrfeuer gegen die Fliegerstafel: Im Ergebnis sind unsere Straßenkarten blutverschmiert und die Windschutzscheibe jetzt auch innen von Insekten-Road-Kill gespickt! Wir setzen den taktischen Rückzug per Fahrzeug fort, während ganze Schwärme um unser Auto kreisen.

DennisWilhelms_BSC-3255.jpg

Szenarien für diverse insekten-basierte Horrorfilme geistern in unseren Köpfen, als wir leere Gehöfte passieren. Der Gedanke an Camping heute Abend mutet nicht mehr in der gleichen Romantik an, wie er dies heute Morgen tat.

Ein Zwischenstopp in Oulo zeigt einen großen Unterscheid zu Rovaniemi: war letzteres stark baufällig, trist und (dem Feiertag geschuldet) menschenleer zeigt sich die kleinere Stadt Oulo von ihrer besten Seite: moderne Bauten stehen neben restaurierten historischen Gebäuden und die Straßen sind voller Leben. Sicher sorgt auch das gute Wetter für einen subjektiv besseren Eindruck bei uns. Trotzdem: auch aufgrund des gestrigen Musikfestivals angesichts des Feiertages nagen Gewissensbisse, nicht gestern schon die zusätzliche Strecke gemacht zu haben. Dann gäbe es aber obigen Absatz über die Mücken nicht und wir hätten eine selbst-ironische Geschichte weniger im Gepäck. Also doch die richtige Entscheidung…

Als Ziel des Tages wählen wir den im RoadBook empfohlenen Nationalpark Koli nahe der russischen Grenze im Osten Finnlands. Dort kann man auf eine 300 Meter Anhöhe und dort direkt auf ein Plateau fahren, von dem aus man die eindrucksvolle Landschaft des Nationalparks überblicken kann. Mutete Finnland bisher gegenüber den Lofoten als schlicht (und stellenweise sogar langweilig) an, werden wir hier eines besseren belehrt: der große See wird in magisches Abendlicht gehüllt und allein das Plateau mit seinen von Felsen durchzogenen Wäldern ist ein Erlebnis!

DennisWilhelms_BSC-3306.jpg


Wir fragen im auf der Anhöhe liegenden Hotel nach, ob sie uns einen Tipp für Wildcamping geben können, was die Rezeptionistin fachkundig und bereitwillig erledigt. Auf die Frage, ob sich spendenverdienende Rallyefahrer eines der Zimmer günstiger erhaschen könnten, meint sie nur, dass wir uns das nicht leisten können - einen Preis nennt sie nicht. Zum ersten Mal prüfe ich meine Erscheinung näher im Spiegel - die letzte Rasur gab es in Schweden und über den heutigen Spüldienst habe ich vergessen, mir eine Frisur zurechtzulegen!

So wird es eben doch wieder Wildcamping am See, wo sich später Simone und André von Team HeartBeat zu uns gesellen. Aufgrund Simones angeborenen Herzfehlers ergibt sich sofort eine Gemeinsamkeit zu unserem kinderherzen-Projekt und wir verbringen den Abend schnackend in unseren Campingstühlen (und in Gesellschaft von Stichmücken im vierstelligen Bereich) mit Blick auf den See. Ein Sonnenuntergang ist uns trotz Überqueren des Polarkreises (noch) nicht beschert…

DennisWilhelms_BSC-3338.jpg
DennisWilhelms_BSC-3360.jpg
DennisWilhelms_BSC-3364.jpg

Gefahrene Kilometer: 638
Reisezeit: 11 Stunden
Geschwindigkeit einer durchschnittlichen Stechmücke: 1,5 bis 2,5 km/h
Höchstgeschwindigkeit Usain Bolts: 44,72 km/h

Dennis Wilhelms
Tag 8 - Karigasniemi bis Rovaniemi - Do they know it's NOT Christmas?

Viel Stress ist von uns abgefallen - wir haben alle wichtigen Etappenziele erreicht und liegen sogar leicht vor der vorgeschlagenen Strecke des Roadbooks. Der Superlative Adventure Club als Veranstalter schlägt zwei verschiedene Routen vor: entweder in Finnland bleiben oder über die russische Grenze und direkt nach Estland zur zweiten Party am 27. Juni fahren. Sebastian und ich haben kein Visum für Russland, was uns nicht nur die kürzere Route, sondern auch die besser ausgebauten finnischen Straßen beschert.

DennisWilhelms_BSC-3121.jpg

Trotzdem entscheiden wir uns heute dazu, den langen Weg in die unbekannte Stadt Rovaniemi anzutreten und damit unseren Vorsprung weiter auszubauen, um mehr Zeit in Helsinki oder Tallinn zu gewinnen.

Die T3-Piloten Ilona und Titus haben sich für Russland entschieden und so verabschieden wir uns morgens bis zur Party in Tallinn. Lange soll der Abschied nicht vorhalten, bei einer Kaffeepause rollen die beiden hinter uns auf den Parkplatz. Gemeinsam besichtigen wir eine Bärenhöhle, bevor die geplante Abfahrt wieder verzögert wird - der T3 verliert Wasser, was Titus dank Schraubererfahrung (und dem großartigen Buch „So wird’s gemacht“) schnell auf den Heizungskreislauf zurückführen kann. Keine wilde Sache, mit einem Rohr ist das zu überbrücken, versichert er uns.

Also verabschieden wir uns erneut und drücken die Daumen, dass am heutigen Feiertag ein Stahlrohrfachgeschäft offen hat. Später erhalten wir eine Nachricht, dass alles reibungslos lief, beide gut nach Russland gekommen und die Straßen ein wahrer Albtraum sind. Das ist die letzte Nachricht, die wir für einige Tage erhalten werden (Datenvolumen in Russland soll für umgerechnet 2 Euro pro Megabyte gehandelt werden).

Obwohl wir wissen, dass wir die Aufgabe des Tages nicht erfüllen werden, fahren wir das berühmte Santa-Dorf am Polarkreis an, den wir heute wieder nach Süden überqueren. Allerlei skurriles erwartet uns: vom obligatorischen Giftshop, der mit jeder erdenkbaren Weihnachtsrequisite vollgestopt ist, gibt es gleich mehrere Weihnachtsmänner, die für Fotoshootings zur Verfügung stehen und damit das Herz von Kindern erfreuen und die Geldbörse von Eltern entleeren sollen. Auf dem Weg zu Santa gibt es auch noch die Geschichte von Weihnachten zu sehen, die ziemlich gruselig anmutet. Santas Helfer waren vor ihrer Verniedlichung zu Elfen, wahre Albtraumgestalten mit Ziegenmasken und Gehörn. Ich erhasche ein unbeobachtetes Foto des modernen Weihnachtsmannes.

Ein anderes Team will die heutige Aufgabe mitnehmen und versucht, eine finnische Elfenkassiererin zu überreden, entweder vor ihrem Auto zu posieren oder dem Team passende Elfenkostüme samt Weihnachtsdeko zu leihen. Damit wollen sie Ihr Auto schmücken und sich anschließend als Elfen vor dem Weihnachtsschlitten ablichten lassen. Fürst Rostfrei möchte keinen weiteren seinem seinem bereits vorhandenen Stern hinzufügen und wir machen als Elfen keine wirklich so gute Figur wie besagte Kassiererin, die uns für die Reise alles Gute wünscht.

DennisWilhelms_BSC-3221.jpg

Was uns beim Weihnachtsdorf bereits auffällt, soll sich in Romaniemi bewahrheiten: alles ist wie ausgestorben. Zwar war das Weihnachtsdorf geöffnet, aber die ebenfalls umliegenden Attraktionen Restaurant „Drei Elfen“, Santas Schneemobile, Santas Vergnügungspark, Elfenspielplatz und die Weihnachtspost-Außenstelle waren alle geschlossen. Zum Vergleich: Selbst IKEA hat an Weihnachten offen, während heute alle Türen zu Duftkerzen und Billy-Regalen geschlossen bleiben. Midsommar ist der höchste Feiertag.
Folgerichtig präsentiert sich auch die Stadt Rovaniemi - immerhin die flächengrößte Stadt Europas - wie nach der Zombie-Apokalypse: menschenleer und nur einige wenige Gestalten (Touristen wie wir) wanken auf den Straßen.
An der Rezeption unseres Gästehauses ernten wir nur ein müdes Lächeln als wir nach Ausgehtipps fragen.
Statt dem vorgeschlagenen Irish Pub oder unserer Vorstellung von typisch finnischem Essen gibt es Pizza aus der lokalen Pizzakette (die wir mitnehmen müssen, weil sie zwei Stunden vor den regulären Zeiten schließen wollen). Wir verspeisen diese während der ersten 30 Minuten des Spiels Deutschland-Schweden, bevor wir auch den Gemeinschaftsraum des Gästehauses verlassen müssen, weil dieser abgeschlossen wird.

Die plötzliche Zivilisation nach Tagen skandinavischer Weiten wirkt beklemmend, da helfen auch die leeren Straßen nicht. In Rovaniemi sehen wir auch zum ersten Mal kein anderes Team am Abend - die meisten befinden sich schon in Russland und können spannendes berichten: In Murmansk gab es einen Verkehrsfunfall, der das beteiligte Team zwang, 2,5 Stunden auf die Polizei zu warten, bevor sie zu einem Dolmetscher auf das Polizeipräsidium gefahren wurden. Nach acht Stunden Verzögerung gab es einen Wodka mit dem Polizeichef und ein Blaulicht im Tausch gegen Anti-Mücken-Kerzen!


gefahrene Kilometer: 435
Reisezeit: 9,5 Stunden
Vorereitung auf die wahre Zombie-Apokalypse: http://himate.de/81/bist-du-bereit-fur-die-zombie-apokalypse

Dennis Wilhelms
Tag 7 - Alta bis Karigasniemi - nördlicher wird’s nicht

Heute steht der nördlichste Punkt Europas (und damit nicht ganz aus Zufall auch der Rallye) auf dem Programm. Es war eine Tradition für Touristen, am Nordkap im sogenannten Champagnerzelt mit dem gleichnamigen Getränk anzustoßen. Allerdings mussten sie dafür auch den mühsamen Anstieg über 400 Höhenmeter mit Hilfe von in die Wand geschlagenen Stahlseilen bewältigen.
Heute führt eine Straße bis zum Nordkapp, das Champagnerzelt ist einem Restaurant der Scandic Hotel-Kette gewichen und dank dem Organisator der Rallye dürfen wir sogar mit dem Rallyefahrzeugen bis vor den fünf Meter hohen Stahlglobus fahren, der den nördlichsten Punkt markiert.

DennisWilhelms_BSC-2878.jpg

Die Landschaft entlang Straße mit der Nummer 69, der wir fast zwei Stunden folgen, ist eine Verschmelzung der bisherigen skandinavischen Länder: schroffe Felsenküste folgt auf rentierbelagerten Wiesen, um dann von mit Restschnee bedeckten Geröllfeldern abgelöst zu werden. Alles gesäumt von den typisch in rot gehaltenen Holzhäusern und Fischerhütten. Die Straße verläuft mit bis zu 12% Steigung auf und ab - letzteres auch  bis 212 Meter unter dem Meeresspiegel im 7 km langen „Nordkapptunnelen“.

DennisWilhelms_BSC-2835.jpg

Das Nordkap selbst liegt auf einem Felsen, bei dem man bei gutem Wetter die steil verlaufende Felskante hinunter bis zum Meer sehen kann.
Heute ist kein gutes Wetter.

DennisWilhelms_BSC-2960.jpg

Die Sichtweite beträgt ein paar Dutzend Meter, bis Fahrzeuge, Gebäude und Kunstwerke auf dem Plateau in milchigem Nebel verschwinden. Für ein Selbstportrait inklusive Fahrzeug vor dem Globus reicht es aber. Einige helfen der schlechten Sicht durch den Einsatz von externen Kamerablitzen nach - sehr zum Unmut der hinter ihnen langen Reihe an Rallyefahrzeugen. Wir kommen recht früh an die Reihe und gönnen uns dann eine fast zweistündige Auszeit im Gebäude des Nordkapps, dass neben Souvenirshop und Restaurant auch eine Kapelle, ein thailändisches Museum und eine Gedenkstätte für die gefallenen Soldaten der Schlacht um Narvik

Wir treffen auf Ilona und Titus vom Team Bulli Sea Circle, die bei der Lofotenparty neben uns parkten und beschließen, den Rest des Tages als Konvoi zu fahren und kurz hinter der Grenze zu Finnland auf einem Campingplatz zu schlafen.
Zuvor allerdings passieren  noch einige Dramen am Nordkapp. Ausgerechnet dort krepiert die Lichtmaschine eines Teams und kann trotz fachkundigem Personal vor Ort (bereits vor Tagen haben sich eine Handvoll Kfz-Mechaniker verschiedener Teams als ständige Ansprechpartner herauskristallisiert und leisten fast rund um die Uhr Hilfe - entweder persönlich oder per Ferndiagnose im WhatsApp-Chat) nicht zum Laufen gebracht werden. Es bleibt nur übrig, die mitgeführte zweite Batterie einzusetzen während in einem anderen Auto die erste wieder geladen wird. Es kann nun so weit gefahren werden , bis das Auto erneut liegen bleibt und die Batterie wieder gewechselt werden muss. Der Aufruf nach einer Ersatz-Lichtmaschine wird umgehend positiv beantwortet, allerdings braucht es über vier Stunden, bis das Team mit dem Ersatzteil vor Ort ist.

Das zweite Drama geschieht, als wir zusammen mit dem T3 von Ilona und Titus den Nordkaptunnel gerade verlassen - uns erreicht die Nachricht, dass die nördliche Zufahrt wegen eines brennenden Wohnmobils gerade gesperrt wird. Erst eine Stunde später klärt sich: es ist niemand zu Schaden gekommen und auch der Schaden am Fahrzeug hält sich in Grenzen. Die verlorene Zeit für die Teams, die vor dem Tunnel standen, ist allerdings nicht zu ersetzen und wird wieder für durchfahrene Nächte sorgen. Wir hatten Glück!

Während der Überfahrt zu Finnland wechseln wir auch nichtsahnend die Zeitzone und kommen so zu spät zum höchsten Feiertag des Landes - Midsommar, an dem die Johannisfeuer entfacht werden. Raimo, der Betreiber des Campingplatzes hatte mich extra gewarnt, früh anzukommen, um der Entzugndung beizuwohnen. Wir sehen zusammen mit vier anderen Teams erst einige Minuten später das Feuer, das sich vor dem auf den Lofoten allerdings nicht verstecken muss. Es ist Raimos 53igstes Juhannusfeuer, das er entfacht, wie er mit mit leichtem schweizerischen Akzent erklärt.

Wir warten Mitternacht ab und werfen dann unsere Viking Timber Sticks, kleine mit dem BSC-Logo bedruckten Holzklötze ins Feuer und erfüllen so unsere Aufgabe für Tag 8 - noch in Finnland oder Norwegen ein Feuer mit anderen Teams zu entfachen. Den geforderten Nachweis des Tages mit einer aktuellen Zeitung können wir nicht bieten - wegen des Feiertages erschien heute keine.

 

Wir haben es zum höchsten Punkt der Rallye geschafft - das Halbzeitgefühl wird erst in den nächsten Tagen  einsetzen, wenn wir seit langem wieder wolkenlosen Himmel sehen!


Gefahrene Kilometer: 537
Reisezeit: 12 Stunden
berühmtester Besucher des Nordkaps: König Chulalongkorn von Siam

Dennis Wilhelms