Tag 6 - Hov bis Alta - Hangover

Vier Stunden Schlaf
Zwei Aspirin
Zwei Drohnenbilder
Ein Fahrerwechsel
Keinen Alkohol mehr!

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Gefahrene Kilometer: 744 km
Reisezeit: 13 Stunden
durchschnittlicher Alkoholabbau des Menschen: 0,2 ‰ pro Stunde

Dennis Wilhelms
Tag 5 - Bodø bis Hov - Party all night long

10:15 Uhr ist eine gute Zeit! 10:15 Uhr heisst Durchschlafen bis 07:00 Uhr und entspannt zur Fähre fahren!
Dort treffen wir auf zahlreiche andere Teams, mit denen wir dank Fährenverspätung regen Austausch betreiben können. Wir hören von Städtetrips nach Kopenhagen und Stockholm, die das Team (drei(!) Passagiere in einem Porsche 924 - jetzt googeln und staunen!) zu 13 Stunden Dauerfahrt zwangen, um rechtzeitig zur Fähre zu kommen. Wir hören von defekten Bullis, die gegen ein frisches Auto aus Deutschland getauscht werden nur um dann doch wieder zu funktionieren (in eben jenem fahren die verunfallten Teammitglieder des gestrigen Blogposts). Wir sehen Toni, den Vespafahrer und heimlichen Held der Rallye, der es tatsächlich nachts noch zur Fähre geschafft hat - völlig erschöpft und sichtlich angeschlagen, aber er ist da! Jeder feiert ihn, jeder klopft auf seine Schulter!

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Ein weiteres Thema sind immer noch die norwegischen Grenzkontrollen und die Angst, mit zu viel Alkohol erwischt zu werden. Mittels Apps wurden Steuervoranmeldungen getätigt und der Überschuss angemeldet und bezahlt. Wein wurde in grüne Plastik-Flaschen abgefüllt, damit es wie Softdrink aussieht und der ein oder andere Kanister enthielt nicht den vermuteten Inhalt. Gäbe es eine Erfassungsmöglichkeit des auf schwedischen Campingplätzen konsumierten Alkohols hätte es gestern einen statistischen Peak gegeben, der eine neue Besteuerung begründet hätte.


Von norwegischen Zöllnern kontrolliert wurde übrigens niemand!

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Die Fähre wird von den BSC-Teilnehmern pragmatisch genutzt: unter Wasserhähnen auf der Bordtoillette werden Haare gewaschen, feuchte Schlafsäcke werden im Gang getrocknet und die Bordsessel bescheren vier Stunden ununterbrochenen Schlaf. Ein Stück Luxus fernab vom Lenkrad!

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Die Lofoten sind (mal wieder) eine neue Welt. Berge und Meer direkt nebeneinander (oder durch Sandstrände mit türkisblauem Wasser getrennt), die vielen kleinen Inseln durch steile einspurige Brücken verbunden. Für mehr als vorbeifahrendes Staunen (und der festen Erkenntnis, hierher zurückzukehren) bleibt keine Zeit. Im ersten Fischerdorf besorgen wir Grillgut und zwei Stunden später stehen wir am Strand von Hov - ohne Regen! Kein Tropfen! Es ist trocken und dies wird sich bis zu unserer Abfahrt am nächsten Morgen auch nicht mehr ändern!

Etwa 170 Teams haben ihre Zelte auf dem eigens für den BSC reservierten Campingplatz ausgebreitet. Am Strand stehen ein Dutzend Grills für hungrige Rallyefahrer bereit und das mitgebrachte Bier (besser: was davon übrig ist) wird an einem zentralen Platz gelagert und für alle freigegeben.

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Um 20 Uhr eröffnet Veranstalter „Maschine“ den Abend mit den Viking Games, eine Aneinanderreihung von Geschicklichkeitsspielen, bei denen alle Teams in KO-Runden gegeneinander antreten. Wir werfen unseren Viking Stick (ein Stück Brennholz, der in drei Tagen Teil einer Aufgabe sein wird) in der ersten Runde noch sehr nah an das Zielholz, unterliegen dann aber im Tauziehen gegen drei andere Teams. Unsere Trauer hält sich in Grenzen: ohne den sportlichen Leistungsdruck schmeckt das Bier besser und die Gespräche verlaufen ohne Unterbrechung. Wer gewinnt, kann ich nicht sagen. Zu was ich eine fachkundig gebildete Meinung abgeben kann: Ratsherren Summer Ale schmeckt lecker!

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Das große Feuer wird entzündet, was Maschine dazu veranlasst, einen neuen Rekord aufzustellen: er will mit mehr als 120 Menschen ins Polarmeer springen. Dass er dabei auch einen Rekord in Textilarmut aufstellen will, hat er zwar nicht gesagt, aber konkludentes Handeln spricht dafür. Mehrere Dutzend (mehr oder weniger) Nackte rennen also ins Meer, um kurz danach zitternd, aber glücklich zurückzukehren.

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Im letzten Bild zu sehen übrigens das Team von Ladiesgetlostinadventure, die für die autonomen jugendwerkstätten Hamburg e.V. weitere 1000€ erhalten, wenn sie bis zum Ende des BSC ebensoviele Follower auf Instagram haben. Bitte unterstützt das mit einem Follow, die Stories lohnen sich (Essen im Haar und brennende Tunnel sind nur ein paar der Stichwörter)

Feste feiern unter der Mitternachtssonne ist etwas besonderes: Beim zweiten Grillen um 23 Uhr und beim letzten Bier um 01 Uhr fühlt man sich immer noch als wäre es später Nachmittag. Ein sehr betrunkener später Nachmittag, aber das ist ja irgendwie auch nichts anderes als Altweiberfastnacht!
Nach fünf Tagen auf der Straße ist die Feier für alle ein Highlight - vermutlich das der ganzen Rallye. Es passt einfach alles: Das Wetter ist auf den Punkt trocken und nicht zu kalt, die Gesellschaft angenehm durchgedreht und die Landschaft ein Erlebnis. Wer will schon normalen Urlaub…?

Gefahrene Kilometer: 150 km
Reisezeit: 9 Stunden
konsumierte Getränke: zwei Tassen Rum, zu viel Bier

Dennis Wilhelms
Tag 4 - Strömsund bis Bodø - I'm only happy when it rains

Mutter Natur hasst uns! Als raue Rebellen, die wir nun mal sind, beschließen wir, ihr die kalte Schulter zu zeigen und machen in passiv-aggressiver Weise den Regen zu unserem neuen Maskottchen.

Ablenkung bringt das Handy - der Baltic Sea Circle verfügt über eigenen WhatsApp-Chat mit 250 Teilnehmern. Seitdem ich ein Teil dieser Gruppe bin, weiß ich, wie man Chats stumm stellt und dass man das automatische Speichern von Bilddateien auf Telefonen unterbinden kann (und sollte!).
Ausgewählte Auszüge des Chatinhalts:
- Bilder von Frühstück/Mittagessen/Kaffee/gefangenen (aber nicht verzehrten) Fischen
- Bilder anderer Teamfahrzeuge, die beim Überholen fotografiert werden
- Bilder der abendlichen Campingstellplätze
- Fragen nach „Wo ist Toni?“ (der Vespa-Fahrer, der es trotz Abstand von teilweise 300 km zum statistischen Mittelpunkt der BSC-Invasion am Abend auf die Fähre zu den Lofoten schaffen wird)
- Beschwerden über die (nur sporadisch funktionierende) Tracking-App des Veranstalters.

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Der wirklich sinnvolle Nutzen der Möglichkeit, gleichzeitig mit hunderten anderer Menschen zu kommunizieren, geht zwischen all diesen Posts fast verloren: Ersatzteile für diverse Autos werden angefragt und zugesichert, Reparaturtipps gegeben und sogar Mitfahrerplätze vergeben.
Am vierten Tag haben bereits drei Fahrzeuge den Geist aufgegeben - eines davon bereits am ersten Tag bei einem Zusammenstoß mit einem Campingmobil. Keine Verletzten, aber Totalschaden des Rallyeautos. Ein weiteres hatte einen Auffahrunfall - zwei der vier Teammitglieder befinden sich aktuell wieder in Deutschland, die zwei verbliebenen nutzen die Möglichkeit, bei anderen Teams untergekommen zu sein, um den Baltic Sea Circle ohne Automobil, aber immerhin persönlich zu beenden. Der dritte Ausfall hat auch den ersten Todesfall der Rallye zu beklagen: bei einem Zusammenstoß mit einem Elch kostete es dem Tier das Leben und dem Auto die Windschutzscheibe. Keine menschlichen Verletzungen außer Schock. Der Scherz des "King of Roadkill" (eine eigens auszufüllende Leerzeile bei der täglichen Zusammenfassung im RoadBook) erscheint uns als zu früh, muss aber trotzdem gemacht werden.

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Während auf der Unfallstraße die Elchdichte anscheinend so hoch ist, dass diese vor lauter Raumnot sogar vor Autos laufen, bekommen wir Schwedens Wahrzeichen (dicht gefolgt von Michel aus Löneberga und Köttbullar) nicht zu Gesicht. Einzig eine Rentier-Herde erbarmt sich unser und grast gemächlich neben der Landstraße. Ein wenig genervt, dass sie dies klischeebeladenerweise ausgerechnet in Lappland tun müssen, schieße ich trotzdem ein paar Fotos der possierlichen Weihnachts-Metaphern auf vier Beinen.

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Kurz danach überqueren wir die norwegische Grenze - die Landschaft wird karger, felsiger und ich mit jedem Meter glücklicher (sollte das etwas über mich als Person aussagen, bitte ich darum, mir das Ergebnis nicht mitzuteilen).
Einige Zeit später dann stehen wir am Polarkreis und haken das obligatorisch-touristische Foto an der Polarkreis-Statue neben dem Polarkreis-Shop mit Polarkreis-Kleidung ab. Die Soft-Shell-Jacke hält, der Bart wärmt das Gesicht und mit einem zufriedenen Fridtjof Nansen-Gefühl (und nur leicht schlechtem Gewissen gegenüber dem Motorradteam, welches wir eben beim Kaffee getroffen haben) drücken wir auf den Knopf der Sitzheizung. Zwei mal - für die höchste Stufe des Glücks.

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Im WhatsApp-Chat verschwinden nach und nach die Bilder der im Auto geöffneten Sürströmming-Dosen (ein norwegischer Gammelfisch, dessen Wirkung in etwa diese ist:

Im berühmten BSC-Sürströmming-Drive muss die geöffnete Dose 200 km im Auto transportiert werden, um die Tagesaufgabe zu erfüllen. Wir verschenken die zehn Punkte zugunsten des Erhaltes sämtlichen Mageninhaltes und der guten Laune des Tages.


Neueste Meldung stattdessen ist die Durchsage, dass Bodø, der Ort des Fähranlegers aufgrund der BSC-Invasion keinerlei freie Campingmöglichkeiten mehr besitzt und das örtliche Hotel den Konferenzraum bereits zum Schlafsaal umfunktioniert hat. Wir buchen die letzte mögliche AirBnB-Unterkunft und tauschen dort erfolgreich unseren Cocktail-Stab gegen handgemachte Mini-Handschuhe der Gastgeberin. Der hohe emotionale Wert dieser Seltenheit sollte uns beim nächsten Tauschgeschäft in Finnland weit voranbringen.

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Zum ersten Mal erleben wir einen Polartag, an dem die Sonne nicht untergeht. So sitzen wir um 00:45 Uhr im hellen, haben jegliches Zeitgefühl verloren und nur das Abschlussbier des Abends läutet die nötige Bettschwere ein.

Gefahrene Kilometer: 697
Reisezeit: 11 Stunden
Höhe der Sonne bei Polartagen: etwa 23,5° über dem Horizont

 

 

Dennis Wilhelmsbodø
Tag 3 - Degerfors bis Strömsund - Reden hilft!

Vor allem, wenn man es mit der norwegischen Fährgesellschaft tut, die uns doch noch einen Platz auf der Fähre im voraus sichern kann. Wir sparen uns jegliches durch-die-Nacht-fahren, am Fährhafen im Auto schlafen oder nächtliches Überqueren des Meeres. Statt dessen nur „entspannte" 700 km Fahrt bis Bodø und Ausschlafen. Aber das sind alles Planungen für Tag 4, für uns steht erst mal ein Zeitungsinterview an!

Mit sagenhaften 30 Punkten für das RoadBook ist eine Veröffentlichung in einer Zeitung oder Fernsehen dotiert. Und da unsere AirBnB-Gastgeber uns mehrfach versicherten, dass die lokale Zeitung händeringend nach Themen sucht, beschließen wir, dort einfach mal anzufragen. Nach kurzer Präsentation unseres Teams und der Idee der Rallye (aus Niedlichkeitsgründen unterstützt durch den Kinderherzen-Bären Moritz) werden wir tatsächlich zum Interview gebeten.
Mit den Punkten sicher in der Tasche, berichten wir also im Detail über unsere Motivation, das Spendenprojekt und jegliche skurrile Begebenheiten, die es bisher bei der Rallye gab.
Dem Redakteur gefällt’s, wir landen nicht nur mit einer kleinen Erwähnung auf der Titelseite, sondern als waschechtes Seite-4-Feature gibt es die Espressonisten ganzseitig vor dem Zeitungsgebäude zu sehen. Inklusive link zu unserem Spendenprojekt, was aus unserem Aufruf für kinderherzen eine internationale Aktion macht.

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Mit stolzgeschwellter Brust verputzen wir unser Frühstück (kalter Kaffee aus Plastikbechern und HotDog-brötchen - es kann nicht alles positiv sein) und starten in einen langen Fahrtag.

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Trotz gewonnener Zeit durch die doch reservierte Fähre wollen wir so weit in den Norden wie möglich, um die Fahrtstrecke des morgigen Tages möglichst gering zu halten.
Einzig erwähnenswerter Stop ist ein kurzer Halt an einer Bushaltestelle, um die Tagesaufgabe zu erfüllen: für 50 km soll der Beifahrer mit dem eines anderen Teams getauscht werden. Erzwungene Interaktion mit den restlichen Teilnehmern des Rennens - im Hinblick auf die Party auf den Lofoten in drei Tagen eine gut gewählte Aktion! Wir sehen die restlichen Teilnehmer zwar bereits jetzt an mehreren Stationen über den Tag verteilt und man unterhält sich eigentlich immer über die wichtigen Belange der Rallye (welches Auto hat bereits Pannen, wo hat man die Nacht verbracht und immer mehr: wie wird man noch rechtzeitig Alkohol los, bevor es zum gefürchteten Grenzübertritt nach Norwegen geht?), aber das sind nur kurze Gespräche bei Tankstopps.

Aber auch daran hat der Organisator gedacht: sollte das Gesprächsstoff ausgehen, erfüllt man Teil zwei der Tagesaufgabe und erzählt sich seinen jeweils besten Witz - wer lacht, verliert die Challenge.

Sebastian steigt zu Nils vom Team „Running On Empty“, dessen Freundin Janka folgerichtig bei Fürst Rostfrei ihren neuen Job als Navigator wahrnimmt. Wir finden heraus, dass wir mitten in Schweden auf Kölner getroffen sind, die keine drei Kilometer von Dennis entfernt wohnen. Die Welt ist klein - besonders wenn 250 Rallyeteams in Skandinavien einfallen.
50 km reichen nicht mal für einen Witz, Janka und ich kommen aus dem Quatschen nicht mehr raus und am Ende erzählen wir uns bei geöffneten Türen die vorbereiteten Witze - keiner lacht (sie waren in der Tat so schlecht, dass sie noch nicht mal hier erwähnt werden) - wir sind ratlos, wer die Challenge gewonnen hat und beschließen einheitlich, dass beide Teams Punkt gutgeschrieben bekommen.

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Wir schließen uns den insgesamt drei Autos des anderen Teams an und trennen uns erst wieder am Zielort, wo wir uns wegen des gerade einsetzenden Regens für eine Hütte auf dem Campingplatz entscheiden.

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Gefahrene Kilometer: 580

Reisezeit: 12 Stunden

Auflage der Zeitung Karlskoga Tidning: 10.100

Dennis Wilhelms
Tag 2: Simrishamn bis Degerfors - Ende gut, alles gut!

02 Uhr morgens: Regen setzt ein. dank stakkatohaftem Dauergetrommel ist an Schlaf nicht zu denken. Viel zu denken ist an die Tatsache, dass unser Zelt zwar ursprünglich 99 Euro gekostet hatte, dann aber durch den Fachhandel (Lidl) auf fantastische 59 Euro reduziert wurde. Jeder Verdacht, dass es sich dabei um Verkaufsstrategie handelte und die Zeltbahnen in Wirklichkeit chinesische Billigstarbeit statt herausragende Ingenieurskunst darstellen, maximiert sich! Aber: wir bleiben trocken! China hat sich gerade massig Pluspunkte verdient. Danke, Xi Jinping!

03 Uhr morgens: Die Sonne geht auf! Es regnet! Jetzt ist es laut UND hell. An Schlaf ist nicht zu denken!

06 Uhr morgens: irgendwie geschlafen. Immer noch hell, dafür leise! Und trocken!

Der Stellplatz erweist sich als goldrichtig. Außer uns hat es ein weiteres Team hierhin verschlagen, aber geschätzte 5 Quadratkilometer Strand lassen sich sehr gut durch zwei Parteien teilen!

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Der Regen setzt gegen Mittag wieder ein und begleitet uns fast pausenlos bis zum Abend! Die heutige Etappe dehnt sich aufgrund des Regens auf die gefühlt doppelte Zeit. Der Scheibenwischer meldet sich bereits zur Burn-out-Therapie und wenn ich am Steuer sitze, habe ich das Gefühl, eine Brille zu brauchen, weil durch das ständig nachfließende Wasser Scharfsehen nicht mehr möglich ist.

Die Tagesaufgabe umfasst das Finden eines Autofriedhofs in Südschweden, um dort ein Foto eines verwitterten (angeblichen) Tourbusses der Band ABBA zu machen! Im Dauerregen erledigen wir dies - Spaß macht es keinen!

Einhellig entschließen wir uns, trotz wasserdichtem Zelt eine Nacht indoor zu verbringen. AirBnB beschert uns eine Wohnung in der vorgeschlagenen Region in Mittelschweden, was wir prompt ansteuern. Erst nach Erreichen der Adresse stellen wir fest, dass wir zwar in der richtigen Straße stehen (Vallgatan 3), aber trotzdem 80 km vom Zielort entfernt sind. "Vallgatan" ist anscheinend gleichzusetzen mit "Bahnhofstraße", jeder Ort hat eine und wenn man eine Kleinigkeit (wie den korrekten Ortsnamen) überliest, landet man in Karlstad anstatt Degerfors. Moral im Keller! Warme Mahlzeit und warmes Bett erst einmal verschoben.

Dann aber doch Ankunft bei der AirBnB-Wohnung und neue Probleme: der Versuch, unsere Fähre zu den Lofoten für kommenden Mittwoch zu reservieren, scheitert an der Online-Buchbarkeit. Nur 40% der Plätze können vorgebucht werden und uns scheint nichts anderes übrig zu bleiben, als mit 250 anderen Teams vor der kleinen Fähre zu hoffen, dass genügend Plätze vorhanden sind.

Aber dafür helfen unsere Gastgeber uns bei einer der Fotochallenges. Dank Airsoft-Gewehr, Fellmütze, Schaffell und Lederjacke können wir einen Haken an das "russische" James-Bond-Girl-Foto machen!

Trotzdem: das Fährenproblem lässt uns ratlos zurück: buchbare und damit sichere Alternativen sind eine Fähre um 03:45 Uhr oder um 17:00 Uhr. Im ersten Fall ist an einen tauglichen Schlafrythmus nicht zu denken und wir müssen zusätzliche 300 km fahren, um rechtzeitig anzukommen, im zweiten erreichen wir die Party auf den Lofoten, wenn alle ins Bett gehen.

Ohne Lösung in Sicht beenden wir den Tag. Immerhin: den Plastik-Einkaufschip konnten wir gegen einen Cocktail-Zier-Stab von Bacardi eintauschen. Definitives Upcycling. Und in Norwegen, wo alles teurer ist, werden wir dieses Kleinod auf jeden Fall gegen etwas hochwertigeres tauschen können!

gefahrene Kilometer: 650

Reisezeit: 11 Stunden

Highlight des Tages: japanisch-schwedisches Fischbuffet

Lowlight: Rest des Tages

Dennis Wilhelms
BSC Tag 1 - Hamburg bis Simrishamn

Dank Hotel und Portugiesisch-Nordischem Frühstück gut gestärkt, geht es für die Espressonisten an den Start zum Fischmarkt St. Pauli. Die Atmosphäre ist trotz später einsetzendem Regen energiegeladen - alle Teams wirken euphorisch, jeder will auf die Bahn, um möglichst schnell die ersten Aufgaben zu bewältigen.

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Welche genau das sind, haben wir heute erfahren. Mit der Anmeldung als Team erhalten wir das Roadbook, zwei Kästen Bier für die anstehende Party auf den Lofoten, einen Holzscheit (dazu später mehr) und eine blaue Büroklammer. Die gilt es in jedem Land gegen etwas höherwertigeres zu tauschen, um am Ende das Mitbringsel zu haben, das bei der Auswertung als das beste und originellste bewertet wird. Weitere Aufgaben, die uns das Roadbook vorgibt: verschiedene Fotomotive umsetzen (ein Pferd, das unser Auto zieht; ein russisch aussehendes Bond-Girl samt Pistole) und wild campen für Punkte, die am Ende den Sieger der Rallye bestimmen. Darüber hinaus gibt es für jeden Tag Aufgaben. Heute müssen wir den südlichsten Punkt Schwedens erreichen, um uns der Wikingertaufe zu stellen.

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Ein weiteres Highlight des Starts: Toni, der den Baltic Sea Circle als Erstes mit einer Vespa bestreiten will. Wir alle drücken die Daumen, dass wir ihn im Ziel begrüßen dürfen.

Endlich unterwegs entscheiden wir uns für die Fähre von Puttgarden nach Dänemark statt dem längeren Landweg. Um die eigene Moral hochzuhalten aber auch den in Skandinavien teureren Alkohol als Tauschobjekt vorrätig zu haben, begeben wir uns auf das von Dennis so getaufte "Schnapsschiff", ein ehemaliges Fährschiff, auf dem auf drei Decks Tonnen von Alkohol zu kaufen sind und in dem sich vor allem Dänen eindecken. Hier können wir den noch in Deutschland vorgegebenen ersten Tausch der Büroklammer zu einem blauen Plastikfeuerzeug vollziehen, welches wir noch auf der Fähre (aber schon in dänischem Hoheitsgebiet) gegen einen Plastikchip für EInkaufswagen eintauschen.

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Dänemark wird nur kurz von uns durchfahren, bis wir uns nach Schweden durchschlagen, um rechtzeitig zum Abend an Aless Stelar anzukommen - einem Denkmal aus Wikingerzeiten, das vermutlich kalendarisch genutzt wurde, um Jahreszeiten festzuhalten. Hier vollziehen wir mit anderen die Wikingertaufe: fünf Gegenstände müssen auf dem Rücken getragen werden, während man einen der Steinpfeiler auf Knien umrundet, um für eine lange Reise gerüstet zu sein (zu einem späteren Zeitpunkt fragen wir einen Schweden, ob dieser Brauch tatsächlich existiert: wie erwartet gibt es ihn erst seit Bestehen des Baltic Sea Circle).

Die fünf Gegenstände sind:

Wasser aus der Ostsee / Sand von der dänischen Küste (stilecht in einem True Fruits-Glas gelagert) / ein grüner Zweig aus Schweden / skandinavisches Metall (in unserem Fall eine IKEA-Schraube - schwedischer geht es nicht) / Wind (der quasi immer vorhanden ist und deswegen nicht mitgebracht werden muss)

Als frisch getaufte Wikinger scheuen wir nicht davor zurück, unser Zelt wild direkt am Strand von Simrishamn aufzuschlagen und die erste Nacht des Baltic Sea Circle im Freien zu verbringen. Wie im nächsten Bericht zu lesen, wird es gleichzeitig ein Test der Wasserdichtigkeit unserer Stoff-Unterkunft.

Wir sind bereits für weitere Abenteuer!

Gefahrene km: 470

Reisezeit: 10 Stunden

Road Kill: 1 Stechmücke Innenseite Windschutzscheibe

Dennis Wilhelms
BSC Zero: von Bärten und Bären
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Gestern war die Zeit für letzte Vorbereitungen und Verschönerungen am Auto gekommen. Alle Aufkleber fanden ihren endgültigen Platz und sogar unsere Webseite ziert inzwischen unsere Heckscheibe.

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Und weil Vorbereitung das halbe Leben ist und Verschönerung auch an den Fahrern stattfinden soll, durfte die Außenpflege auch bei uns nicht fehlen. Ein Besuch bei den Barbieren unseres Vertrauens sorgte für adrette Frisuren und ordentliche Bärte. Im Falle von Dennis festgehalten von der großartigen Fotografin Anne Barth, die den Espressonisten zum Flying Dutchman Barbershop in Köln begleitete.

Zuletzt blieb uns nur noch, Klamotten für drei Jahreszeiten und jede Menge Ausrüstung einzupacken, die Hälfte der to-do-Liste schließlich doch zu Hause zu vergessen (Gummihammer, Mückenschutz sowie Gewürze müssen unterwegs aufgesammelt werden und Grüne Versicherungskarten sind ja per se überbewertet) und uns nach Bonn-Beuel aufzumachen. Dort verabschiedete uns das Team von kinderherzen samt Maskottchen-Bär Moritz ins große Abenteuer, welches heute am Hamburger Fischmarkt seinen Lauf nehmen wird. Wir sind gespannt... auf die anderen Teams und Fahrzeuge, unser Roadbook mit Strecke und Aufgaben und die Zuschauer am Rande des Starts.

stay tuned

Dennis Wilhelms
Spenden(zwischen)bilanz: ein Danke an alle!
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Ihr großartigen Menschen!

Ein Blick auf unsere Spendenaktion lässt unser Herz und mit ihm alle kinderherzen höher schlagen - vor einigen Wochen saßen wir mit Jens von der Stiftung kinderherzen zusammen und haben entschieden, dass wir den Mindestbetrag von € 750, den wir als Verknüpfung mit der Teilnahme am Baltic Sea Circle spenden, potenzieren wollen. Wir haben uns auf € 2000 festgelegt und waren uns sicher, dieses Ziel zu erreichen. Mit Spannung haben wir den stetig wachsenden Balken bestaunt, der sich immer weiter seiner rechten Grenze genähert hat.

Nun ist es - fast - soweit! Gerade in den letzten Tagen, in denen Sebastian und ich der Rallye entgegenfiebern, unzählige to-do-Listen erstellt und abgehakt werden und der Countdown für die letzten Vorbereitungen läuft, kommen immer mehr Spenden auf unser betterplace-Konto. Mit Stand des heutigen Tages haben wir mehr als € 1800 gesammelt, die wir nach unserer Wiederkehr vom Nordkap überreichen dürfen.

Es ist Zeit, "danke" zu sagen! Danke an alle anonymen Spender, die sich unserer Sache angenommen haben. An alle Freunde, Familie und Unterstützer, die uns, kinderherzen, unser Auto Fürst Rostfrei und den BSC so toll finden, dass sie sich gemeinsam mit uns der guten Sache widmen.

Auch danke an all diejenigen, die uns auf der Spenden-Zielgeraden bis ins Ziel bringen wollen - auch während unserer Reise um die Ostsee kann immer noch gespendet werden: https://www.betterplace.org/de/fundraising-events/30773-bsc-2018-fur-kinderherzen-um-die-ostsee

Wir freuen uns auf unsere Abenteuer, die wir unbedingt mit unserer Helfergemeinschaft in diesem Blog teilen wollen. Bereits nächste Woche werden Sebastian und ich als Espressonisten von unserem Start von Hamburg berichten. Also Lesezeichen setzen und während der langen Polartage mit-reisen, mit-fiebern und mit-lachen!

DANKE!!!

Dennis Wilhelms
Rallye-Outfit Teil I
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Fürst Rostfrei erstrahlt in neuem Glanze - die Startnummer #45 und das Rallye-Logo schmücken ab sofort sein Antlitz im güld'nen Schein des Foto-Filters! Hach ja...

Nachtrag: Die Werbemaßnahme greift - während der Ehrenrunde durch Ehrenfeld gab es bereits die erste Frage, was der Baltic Sea Circle genau sei. Vielleicht sieht man den netten Herrn im blauen Insignia ja nächstes Jahr ebenfalls am Start...?

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Dennis Wilhelms
Freundeskreistreffen Bonn

Hier herrschte ein wenig Sendepause, in der Vergangenheit ist aber einiges passiert: In diesem und dem nächsten Post berichte ich von unseren Fortschritten wenige Wochen vor dem Start der Rallye.

Ende April hatten wir Espressonisten die Möglichkeit, den Baltic Sea Circle im Rahmen des Freundeskreis-Treffens unseres Spendenpartners kinderherzen vorzustellen. Die Bonner Traditions-Firma Stuck Belz - Wir machen Stuck aus Leidenschaft lud in ihre Räume zu einem spannenden Gips-Workshop für Groß und Klein ein. Zum Abschluss des Abends präsentierten wir unser Team den zahlreichen geladenen Gästen, unter ihnen die kinderherzen-Botschafter Margie Kinsky und Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan.
Insbesondere hat uns gefreut, dass wir von dem enormen Fortschritt unserer Spendensumme berichten konnten. Mit Stand heute (31.05.2018) stehen wir bei unglaublich € 1635! Kurz vor dem Start (der Rallye) ist das Ziel (unserer Spendensumme) fast erreicht.

Wir bedanken uns sehr für das enorme Interesse an unserem Vorhaben, für tolle Gespräche mit großartigen Menschen und der unglaublichen Herzlichkeit, mit der wir empfangen wurden. Auch bei Restaurant Bei Marko & Markos Catering für ein tolles Buffet und Bill Mockridge für das sofortige Ins-Herz-schließen unseres Autos (und bestimmt auch uns :)). Aber ganz besonders bei Zoe, unserer kleinen großen Triebfeder, die uns zu kinderherzen gebracht hat und die trotz Krankheit im Familienkreis die Zeit gefunden hat, mit ihrem Vater Carsten diesem Abend beizuwohnen.

Dennis Wilhelms