Tag 3 - Degerfors bis Strömsund - Reden hilft!

Vor allem, wenn man es mit der norwegischen Fährgesellschaft tut, die uns doch noch einen Platz auf der Fähre im voraus sichern kann. Wir sparen uns jegliches durch-die-Nacht-fahren, am Fährhafen im Auto schlafen oder nächtliches Überqueren des Meeres. Statt dessen nur „entspannte" 700 km Fahrt bis Bodø und Ausschlafen. Aber das sind alles Planungen für Tag 4, für uns steht erst mal ein Zeitungsinterview an!

Mit sagenhaften 30 Punkten für das RoadBook ist eine Veröffentlichung in einer Zeitung oder Fernsehen dotiert. Und da unsere AirBnB-Gastgeber uns mehrfach versicherten, dass die lokale Zeitung händeringend nach Themen sucht, beschließen wir, dort einfach mal anzufragen. Nach kurzer Präsentation unseres Teams und der Idee der Rallye (aus Niedlichkeitsgründen unterstützt durch den Kinderherzen-Bären Moritz) werden wir tatsächlich zum Interview gebeten.
Mit den Punkten sicher in der Tasche, berichten wir also im Detail über unsere Motivation, das Spendenprojekt und jegliche skurrile Begebenheiten, die es bisher bei der Rallye gab.
Dem Redakteur gefällt’s, wir landen nicht nur mit einer kleinen Erwähnung auf der Titelseite, sondern als waschechtes Seite-4-Feature gibt es die Espressonisten ganzseitig vor dem Zeitungsgebäude zu sehen. Inklusive link zu unserem Spendenprojekt, was aus unserem Aufruf für kinderherzen eine internationale Aktion macht.

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Mit stolzgeschwellter Brust verputzen wir unser Frühstück (kalter Kaffee aus Plastikbechern und HotDog-brötchen - es kann nicht alles positiv sein) und starten in einen langen Fahrtag.

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Trotz gewonnener Zeit durch die doch reservierte Fähre wollen wir so weit in den Norden wie möglich, um die Fahrtstrecke des morgigen Tages möglichst gering zu halten.
Einzig erwähnenswerter Stop ist ein kurzer Halt an einer Bushaltestelle, um die Tagesaufgabe zu erfüllen: für 50 km soll der Beifahrer mit dem eines anderen Teams getauscht werden. Erzwungene Interaktion mit den restlichen Teilnehmern des Rennens - im Hinblick auf die Party auf den Lofoten in drei Tagen eine gut gewählte Aktion! Wir sehen die restlichen Teilnehmer zwar bereits jetzt an mehreren Stationen über den Tag verteilt und man unterhält sich eigentlich immer über die wichtigen Belange der Rallye (welches Auto hat bereits Pannen, wo hat man die Nacht verbracht und immer mehr: wie wird man noch rechtzeitig Alkohol los, bevor es zum gefürchteten Grenzübertritt nach Norwegen geht?), aber das sind nur kurze Gespräche bei Tankstopps.

Aber auch daran hat der Organisator gedacht: sollte das Gesprächsstoff ausgehen, erfüllt man Teil zwei der Tagesaufgabe und erzählt sich seinen jeweils besten Witz - wer lacht, verliert die Challenge.

Sebastian steigt zu Nils vom Team „Running On Empty“, dessen Freundin Janka folgerichtig bei Fürst Rostfrei ihren neuen Job als Navigator wahrnimmt. Wir finden heraus, dass wir mitten in Schweden auf Kölner getroffen sind, die keine drei Kilometer von Dennis entfernt wohnen. Die Welt ist klein - besonders wenn 250 Rallyeteams in Skandinavien einfallen.
50 km reichen nicht mal für einen Witz, Janka und ich kommen aus dem Quatschen nicht mehr raus und am Ende erzählen wir uns bei geöffneten Türen die vorbereiteten Witze - keiner lacht (sie waren in der Tat so schlecht, dass sie noch nicht mal hier erwähnt werden) - wir sind ratlos, wer die Challenge gewonnen hat und beschließen einheitlich, dass beide Teams Punkt gutgeschrieben bekommen.

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Wir schließen uns den insgesamt drei Autos des anderen Teams an und trennen uns erst wieder am Zielort, wo wir uns wegen des gerade einsetzenden Regens für eine Hütte auf dem Campingplatz entscheiden.

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Gefahrene Kilometer: 580

Reisezeit: 12 Stunden

Auflage der Zeitung Karlskoga Tidning: 10.100

Dennis Wilhelms