Tag 5 - Bodø bis Hov - Party all night long

10:15 Uhr ist eine gute Zeit! 10:15 Uhr heisst Durchschlafen bis 07:00 Uhr und entspannt zur Fähre fahren!
Dort treffen wir auf zahlreiche andere Teams, mit denen wir dank Fährenverspätung regen Austausch betreiben können. Wir hören von Städtetrips nach Kopenhagen und Stockholm, die das Team (drei(!) Passagiere in einem Porsche 924 - jetzt googeln und staunen!) zu 13 Stunden Dauerfahrt zwangen, um rechtzeitig zur Fähre zu kommen. Wir hören von defekten Bullis, die gegen ein frisches Auto aus Deutschland getauscht werden nur um dann doch wieder zu funktionieren (in eben jenem fahren die verunfallten Teammitglieder des gestrigen Blogposts). Wir sehen Toni, den Vespafahrer und heimlichen Held der Rallye, der es tatsächlich nachts noch zur Fähre geschafft hat - völlig erschöpft und sichtlich angeschlagen, aber er ist da! Jeder feiert ihn, jeder klopft auf seine Schulter!

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Ein weiteres Thema sind immer noch die norwegischen Grenzkontrollen und die Angst, mit zu viel Alkohol erwischt zu werden. Mittels Apps wurden Steuervoranmeldungen getätigt und der Überschuss angemeldet und bezahlt. Wein wurde in grüne Plastik-Flaschen abgefüllt, damit es wie Softdrink aussieht und der ein oder andere Kanister enthielt nicht den vermuteten Inhalt. Gäbe es eine Erfassungsmöglichkeit des auf schwedischen Campingplätzen konsumierten Alkohols hätte es gestern einen statistischen Peak gegeben, der eine neue Besteuerung begründet hätte.


Von norwegischen Zöllnern kontrolliert wurde übrigens niemand!

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Die Fähre wird von den BSC-Teilnehmern pragmatisch genutzt: unter Wasserhähnen auf der Bordtoillette werden Haare gewaschen, feuchte Schlafsäcke werden im Gang getrocknet und die Bordsessel bescheren vier Stunden ununterbrochenen Schlaf. Ein Stück Luxus fernab vom Lenkrad!

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Die Lofoten sind (mal wieder) eine neue Welt. Berge und Meer direkt nebeneinander (oder durch Sandstrände mit türkisblauem Wasser getrennt), die vielen kleinen Inseln durch steile einspurige Brücken verbunden. Für mehr als vorbeifahrendes Staunen (und der festen Erkenntnis, hierher zurückzukehren) bleibt keine Zeit. Im ersten Fischerdorf besorgen wir Grillgut und zwei Stunden später stehen wir am Strand von Hov - ohne Regen! Kein Tropfen! Es ist trocken und dies wird sich bis zu unserer Abfahrt am nächsten Morgen auch nicht mehr ändern!

Etwa 170 Teams haben ihre Zelte auf dem eigens für den BSC reservierten Campingplatz ausgebreitet. Am Strand stehen ein Dutzend Grills für hungrige Rallyefahrer bereit und das mitgebrachte Bier (besser: was davon übrig ist) wird an einem zentralen Platz gelagert und für alle freigegeben.

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Um 20 Uhr eröffnet Veranstalter „Maschine“ den Abend mit den Viking Games, eine Aneinanderreihung von Geschicklichkeitsspielen, bei denen alle Teams in KO-Runden gegeneinander antreten. Wir werfen unseren Viking Stick (ein Stück Brennholz, der in drei Tagen Teil einer Aufgabe sein wird) in der ersten Runde noch sehr nah an das Zielholz, unterliegen dann aber im Tauziehen gegen drei andere Teams. Unsere Trauer hält sich in Grenzen: ohne den sportlichen Leistungsdruck schmeckt das Bier besser und die Gespräche verlaufen ohne Unterbrechung. Wer gewinnt, kann ich nicht sagen. Zu was ich eine fachkundig gebildete Meinung abgeben kann: Ratsherren Summer Ale schmeckt lecker!

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Das große Feuer wird entzündet, was Maschine dazu veranlasst, einen neuen Rekord aufzustellen: er will mit mehr als 120 Menschen ins Polarmeer springen. Dass er dabei auch einen Rekord in Textilarmut aufstellen will, hat er zwar nicht gesagt, aber konkludentes Handeln spricht dafür. Mehrere Dutzend (mehr oder weniger) Nackte rennen also ins Meer, um kurz danach zitternd, aber glücklich zurückzukehren.

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Im letzten Bild zu sehen übrigens das Team von Ladiesgetlostinadventure, die für die autonomen jugendwerkstätten Hamburg e.V. weitere 1000€ erhalten, wenn sie bis zum Ende des BSC ebensoviele Follower auf Instagram haben. Bitte unterstützt das mit einem Follow, die Stories lohnen sich (Essen im Haar und brennende Tunnel sind nur ein paar der Stichwörter)

Feste feiern unter der Mitternachtssonne ist etwas besonderes: Beim zweiten Grillen um 23 Uhr und beim letzten Bier um 01 Uhr fühlt man sich immer noch als wäre es später Nachmittag. Ein sehr betrunkener später Nachmittag, aber das ist ja irgendwie auch nichts anderes als Altweiberfastnacht!
Nach fünf Tagen auf der Straße ist die Feier für alle ein Highlight - vermutlich das der ganzen Rallye. Es passt einfach alles: Das Wetter ist auf den Punkt trocken und nicht zu kalt, die Gesellschaft angenehm durchgedreht und die Landschaft ein Erlebnis. Wer will schon normalen Urlaub…?

Gefahrene Kilometer: 150 km
Reisezeit: 9 Stunden
konsumierte Getränke: zwei Tassen Rum, zu viel Bier

Dennis Wilhelms