Tag 7 - Alta bis Karigasniemi - nördlicher wird’s nicht

Heute steht der nördlichste Punkt Europas (und damit nicht ganz aus Zufall auch der Rallye) auf dem Programm. Es war eine Tradition für Touristen, am Nordkap im sogenannten Champagnerzelt mit dem gleichnamigen Getränk anzustoßen. Allerdings mussten sie dafür auch den mühsamen Anstieg über 400 Höhenmeter mit Hilfe von in die Wand geschlagenen Stahlseilen bewältigen.
Heute führt eine Straße bis zum Nordkapp, das Champagnerzelt ist einem Restaurant der Scandic Hotel-Kette gewichen und dank dem Organisator der Rallye dürfen wir sogar mit dem Rallyefahrzeugen bis vor den fünf Meter hohen Stahlglobus fahren, der den nördlichsten Punkt markiert.

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Die Landschaft entlang Straße mit der Nummer 69, der wir fast zwei Stunden folgen, ist eine Verschmelzung der bisherigen skandinavischen Länder: schroffe Felsenküste folgt auf rentierbelagerten Wiesen, um dann von mit Restschnee bedeckten Geröllfeldern abgelöst zu werden. Alles gesäumt von den typisch in rot gehaltenen Holzhäusern und Fischerhütten. Die Straße verläuft mit bis zu 12% Steigung auf und ab - letzteres auch  bis 212 Meter unter dem Meeresspiegel im 7 km langen „Nordkapptunnelen“.

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Das Nordkap selbst liegt auf einem Felsen, bei dem man bei gutem Wetter die steil verlaufende Felskante hinunter bis zum Meer sehen kann.
Heute ist kein gutes Wetter.

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Die Sichtweite beträgt ein paar Dutzend Meter, bis Fahrzeuge, Gebäude und Kunstwerke auf dem Plateau in milchigem Nebel verschwinden. Für ein Selbstportrait inklusive Fahrzeug vor dem Globus reicht es aber. Einige helfen der schlechten Sicht durch den Einsatz von externen Kamerablitzen nach - sehr zum Unmut der hinter ihnen langen Reihe an Rallyefahrzeugen. Wir kommen recht früh an die Reihe und gönnen uns dann eine fast zweistündige Auszeit im Gebäude des Nordkapps, dass neben Souvenirshop und Restaurant auch eine Kapelle, ein thailändisches Museum und eine Gedenkstätte für die gefallenen Soldaten der Schlacht um Narvik

Wir treffen auf Ilona und Titus vom Team Bulli Sea Circle, die bei der Lofotenparty neben uns parkten und beschließen, den Rest des Tages als Konvoi zu fahren und kurz hinter der Grenze zu Finnland auf einem Campingplatz zu schlafen.
Zuvor allerdings passieren  noch einige Dramen am Nordkapp. Ausgerechnet dort krepiert die Lichtmaschine eines Teams und kann trotz fachkundigem Personal vor Ort (bereits vor Tagen haben sich eine Handvoll Kfz-Mechaniker verschiedener Teams als ständige Ansprechpartner herauskristallisiert und leisten fast rund um die Uhr Hilfe - entweder persönlich oder per Ferndiagnose im WhatsApp-Chat) nicht zum Laufen gebracht werden. Es bleibt nur übrig, die mitgeführte zweite Batterie einzusetzen während in einem anderen Auto die erste wieder geladen wird. Es kann nun so weit gefahren werden , bis das Auto erneut liegen bleibt und die Batterie wieder gewechselt werden muss. Der Aufruf nach einer Ersatz-Lichtmaschine wird umgehend positiv beantwortet, allerdings braucht es über vier Stunden, bis das Team mit dem Ersatzteil vor Ort ist.

Das zweite Drama geschieht, als wir zusammen mit dem T3 von Ilona und Titus den Nordkaptunnel gerade verlassen - uns erreicht die Nachricht, dass die nördliche Zufahrt wegen eines brennenden Wohnmobils gerade gesperrt wird. Erst eine Stunde später klärt sich: es ist niemand zu Schaden gekommen und auch der Schaden am Fahrzeug hält sich in Grenzen. Die verlorene Zeit für die Teams, die vor dem Tunnel standen, ist allerdings nicht zu ersetzen und wird wieder für durchfahrene Nächte sorgen. Wir hatten Glück!

Während der Überfahrt zu Finnland wechseln wir auch nichtsahnend die Zeitzone und kommen so zu spät zum höchsten Feiertag des Landes - Midsommar, an dem die Johannisfeuer entfacht werden. Raimo, der Betreiber des Campingplatzes hatte mich extra gewarnt, früh anzukommen, um der Entzugndung beizuwohnen. Wir sehen zusammen mit vier anderen Teams erst einige Minuten später das Feuer, das sich vor dem auf den Lofoten allerdings nicht verstecken muss. Es ist Raimos 53igstes Juhannusfeuer, das er entfacht, wie er mit mit leichtem schweizerischen Akzent erklärt.

Wir warten Mitternacht ab und werfen dann unsere Viking Timber Sticks, kleine mit dem BSC-Logo bedruckten Holzklötze ins Feuer und erfüllen so unsere Aufgabe für Tag 8 - noch in Finnland oder Norwegen ein Feuer mit anderen Teams zu entfachen. Den geforderten Nachweis des Tages mit einer aktuellen Zeitung können wir nicht bieten - wegen des Feiertages erschien heute keine.

 

Wir haben es zum höchsten Punkt der Rallye geschafft - das Halbzeitgefühl wird erst in den nächsten Tagen  einsetzen, wenn wir seit langem wieder wolkenlosen Himmel sehen!


Gefahrene Kilometer: 537
Reisezeit: 12 Stunden
berühmtester Besucher des Nordkaps: König Chulalongkorn von Siam

Dennis Wilhelms