Tag 10 - Koli bis Helsinki - von Feuerbällen und Kebab-Füllung

587 Kilometer führen uns bis nach Helsinki. Was sich wie eine akzeptable Entfernung anhört, bedeutet in Fahrtzeit übersetzt erneut etwas mehr als 10 Stunden.

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Unterbrochen wird die Fahrt von diversen Fotostopps. Direkt am Campingplatz machen wir noch Gruppenbilder mit Simone und André, dann geht es schon zur nächsten Aufgabe für das Roadbook: es gilt, die älteste Holzkirche der Welt zu finden und ein Teamfoto davor zu machen.
Die riesige Kirche in Kerimäki ist kein Baufehler: Anspruch war es, die gesamte Gemeinde unterbringen zu können. Gerechnet natürlich an Markttagen, an denen Händler, Besucher und auswärtige Familie zugegen sind. Die Kirche steht also meist leer. Erst recht im Winter, da die Holzkirche nicht genügend beheizt werden kann. Für diesen Zweck gibt es eine - deutlich kleinere - Winterkapelle auf dem Gelände.

Die Bilder im Kasten nutzen wir Verpflegungsmöglichkeiten vor Ort (und vermutlich das luxuriöseste Dixie-Klo, das die Welt je gesehen hat - inkl. Keramik, Teppichboden, und Blumenarrangement). Die finnische Spezialität Lörzty-Kebab, eine Reis-Fleischpastete mit Kebabfleisch gefüllt (wir vermuten Rentier, das in dieser Gegend quasi restlos verwertet wird) schmeckt nach keiner Wiederholung in nächster Zeit. Nicht schlecht, aber nicht köstlich genug, um bis kurz vor die russische Grenze zu fahren, um sich einen Nachschlag zu gönnen.

 

Einen weiteren Stopp legen wir ein, um Videoaufnahmen mit der Drohne zu fertigen, damit die Rallye auch einen würdigen Film produziert. Dazu verlassen wir die Straße an einer Schotterstraße, die einmal einen See umrundet. Während ich die Drohne am Wegesrand steuere, passiert Sebastian mehrfach einen Bauernhof, bei dem wir vermutlich für den Rest des Jahres noch abendliches Gesprächsthema sein werden. Zumindest waren mit jeder Vorbeifahrt mehr (und immer ältere) Menschen vor dem Stallgebäude zu sehen.


Fürst Rostfrei nimmt die kurzen Driftpassagen auf dem Geröll wie der Mercedes, der er ist: stoisch und nur leicht empört über die etwas zu sportliche Fahrweise. Wir beruhigen ihn wieder mit Geradeausstraßen bis kurz vor Helsinki, wo es spontan zu einer weiteren Fotosession kommt. Neben einer Tankstelle (wo auch sonst…?) steht ein (hoffentlich) ehemaliger russischer Militärhelikopter, der einen perfekten Hintergrund für eine weitere RoadBook-Aufgabe liefert: Präsentiere Dein Team und Dein Auto wie ein Plakat der Sendung Top Gear. Der Feuerball im Hintergrund ist zwar optional, aber mein Ehrgeiz als Fotograf ist geweckt. Letzten Endes wird es eine Photoshop-Arbeit sein, aber bis Sonntag sollte etwas brauchbares zu zaubern sein.

Endlich in Helsinki angekommen, raten uns mehrere Teams zum vermutlich personalstärksten und modernsten Campingplatz Finnlands. Umgeben von Vorstadt-Hochhäusern sitzen wir so auf topgepflegtem Rasen, während insgesamt sechs Müllsammler um uns herum ihrem Job nachgehen. Die Codekarte zu Küche, Toiletten und Dusche müssen wir stets am Mann führen und unser Zelt ist mit einer … Zeltberechtigung?… versehen, damit die Platzwartin, die pausenlos ihre Runden dreht, uns nicht aus dem Schlaf reißt und unsere Aufenthaltserlaubnis kontrolliert.


Gefahrene Kilometer: 587
Reisezeit: 10 Stunden
Kapazität der Kerimäki Kirche: 5.000

Dennis Wilhelms