Tag 13 - Raudsilla bis Jaunolaine - Männer, die auf Ziegen starren

Die Party-Nachwehen sind weniger schlimm als letztes Mal. Zumindest für Sebastian und mich! Das gilt nicht für unsere Stellplatznachbarn, die so aussehen, wie ich mich nach den Lofoten gefühlt habe.

Trotzdem entscheiden sich alle Teams für eine frühe Abfahrt. Die Straßen im Baltikum und besonders Polen werden weniger gut ausgebaut sein als dies in der ersten Hälfte der Rallye der Fall war. Zumindest dachten wir das.

Estland und Lettland belehren uns eines besseren. Wir kommen gut voran und das, was uns bremst, sind keine schlechten Straßen, sondern das Umfahren von Autobahnen, die laut RoadBook verboten sind. Aber auf diese Weise können wir aber einen fast vergessenen Auftrag erledigen, den das RoadBook als „den Klassiker“ bezeichnet - setze eine Ziege ans Steuer Deines Autos!

Wir halten an einem Hof für eine Kaffeepause und entdecken im Garten einen Stall mit zwei Ziegen. Flugs an den Auftrag erinnert, fragen wir die Bedienung, die uns mitten im Satz unterbricht und sagt, dass sie solche Anfragen von letztem Jahr bereits kennt. Den Besitzer freut es, er filmt uns beim Einfangen des Haustieres, beglückwünscht uns noch zu unseren gewonnen Punkten und wir fahren weiter nach Riga.
Die Ziege meckerte verständlicherweise ein wenig während der Aktion (wir rissen sie aus einem glückseligen Dämmerzustand), kam aber weder zu Schaden, noch sind tiefergehende psychologische Beeinträchtigungen zu erwarten. Immerhin kannte sie das Procedere bereits aus 2017!

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In Riga blieb uns nur Zeit für das minimalistische Touristenprogramm zusammen mit Ilona und Titus, die uns inzwischen an Herz und Fahrzeug gewachsen sind.

Hier noch zu erwähnen ist der Tausch der Zwiebelmarmelade in Riga. Durch das nur kurze Durchfahren des Baltikums bleibt für eine Tauschaktion natürlich deutlich weniger Zeit als dies in Norwegen oder Schweden der Fall war. Hier hofften wir also auf den Zufall, der sich uns in Form der Abschlussfeier der diesjährigen Absolventen der Kunsthochschule Riga präsentierte. Dreist die Party gestürmt und die erstbesten Menschen gefragt, sind wir nun im Besitz eines Gemäldes auf Leinwand, das den Wert des Zwiebelmarmelade um ein vielfaches übersteigt. Folgerichtig erklären wir den Tauschhandel als beendet, weil es uns absolut unmöglich sein wird, dies gegen etwas höherwertigeres zu tauschen. Liebe unbekannte Künstlerin der Kunsthochschule Riga: wir danken Dir und werden das Gemälde an einem guten Ort aufbewahren. Selbst wenn wir nicht die Punkte für das herausragendeste Mitbringsel einheimsen sollten - es bleibt unser Sieger der Herzen!

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Die Einladung zur Party schlagen wir aus, weil wir noch nicht wissen, wo wir zur Nacht unterkommen. Wildcampen ist geplant und der erste Versuch, einen See kurz außerhalb von Riga  anzufahren, ist unser Glückstreffer drei des heutigen Tages! Ideale Stellplätze inkl. Dixieklos! Dass das Feuer des Abends durch einen Brand irgendwo in Riga mit tiefschwarzen Rauchwolken erzeugt wird, beunruhigt uns etwas, allerdings konnten wir bis heute nicht herausfinden, was gebrannt hat und ob es Verletzte gibt.


gefahrene Kilometer: 420
Reisezeit: 7 Stunden
Ziegen mit richtigen Stressproblemen: https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2012-01/unterschaetztes-tier-fainting-goats

 

Dennis Wilhelms